Diana Denkmal bei Bollendorf
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Mitten im Wald, am Fuß der Niederburg, nicht weit vom Schloss Weilerbach, steht ein Felsen, der etwas sehr Seltenes tut: Er spricht. Ich war den Waldweg von Bollendorf hinaufgegangen, durch dichten Buchenwald, in dem das Licht grün wurde und die Schritte leiser, und stand dann vor einem Sockel aus Sandstein, in den vor fast zweitausend Jahren jemand Buchstaben gemeißelt hat. Sie sind erstaunlich klar, zehn Zentimeter hoch, und sie lauten: DEAE DIANAE Q POSTVMIVS POTENS V S.
Übersetzt heißt das: Der Göttin Diana hat Quintus Postumius Potens das Gelübde erfüllt. Mehr sagt die Inschrift nicht. Wer dieser Mann war, was er gelobt hatte und warum er es hier, im Wald, in den Fels schlagen ließ, weiß niemand. Man datiert das Denkmal in die zweite Hälfte des zweiten Jahrhunderts. Vielleicht hatte er besonderes Jagdglück, vielleicht rief er die Göttin an, den Wald zu beschützen. Diana war die Hüterin von Wald und Jagd, eine Art „himmlischer Oberförster”, wie es in einer Broschüre heißt, und ich fand diese Vorstellung bei einem Gang durch dieses Gehölz sehr einleuchtend. Es ist ein Ort, an dem man eine Göttin vermuten möchte.
Der Sockel ist groß, etwa zwei Meter hoch, 1,50 Meter breit und einen Meter tief, ein Block, der auf eine Statue oder ein Relief wartet, das nicht mehr da ist. Denn von dem Denkmal ist nur der Sockel geblieben, und darauf, über der Inschrift, sieht man noch die Beine und die Reste des Gewandes einer weiblichen Figur und Teile eines Hundes. Ich stand lange davor und ließ meinen Blick an den Konturen entlangwandern, an den Falten, die kaum noch Falten sind, an den Pfoten des Tieres, das einst neben ihr stand. Ähnliche Darstellungen aus römischer Zeit erlauben es, das Bild zu ergänzen: Diana mit dem Jagdbogen, ein Hund als Begleiter. Aber was ich sah, waren nur die Füße der Göttin, und etwas daran hat mich mehr berührt als jede vollständige Statue es vermocht hätte.
Was mit dem Denkmal geschah, weiß niemand. Der Legende nach hat es der heilige Willibrord, der Gründer der Abtei Echternach, im Zuge der Christianisierung der Gegend zerstört, ähnlich wie es von ihm beim Fraubillenkreuz erzählt wird. Ich habe diese Geschichte auf meinen Wegen durch die Südeifel mehrfach gehört, und sie hat immer dasselbe Muster: ein Heiliger, der kommt, einen alten Kult findet und ihn entweder verwandelt, wie den Menhir zum Kreuz, oder auslöscht, wie hier die Göttin. Ob es so war, kann kein Dokument belegen. Aber dass man sich diese Geschichte erzählt, zeigt, wie tief sich die Erinnerung an den Wechsel der Götter in die Landschaft eingegraben hat.
Das Denkmal hat noch eine weitere, seltsame Geschichte. Eine ältere Abhandlung berichtet, dass die Inschrift in napoleonischer Zeit durch französische Verse ersetzt worden sein soll, vermutlich aus Begeisterung für die Geburt des kaiserlichen Kindes, und dass man nach dem Fall des Kaisers 1814 oder 1815 die Verse wieder entfernte und die alte Inschrift wiederherstellte. Die Forscher stritten lange darüber, wie viel von ihr ursprünglich ist. Schon 1840 notierte ein Reisender, dass über der Inschrift noch zwei menschliche Gestalten zu erkennen seien, wahrscheinlich Diana mit einem Hund. Ich fand das sehr schön: Selbst dieses stille Denkmal im Wald wurde von der Politik berührt, überschrieben und wieder freigelegt, wie ein Palimpsest aus Stein.
Das Diana-Denkmal ist eines von vielen römischen Zeugnissen der Südeifel. In und um Bollendorf, in Ernzen, Holsthum und Wallendorf finden sich Reste aus der Antike, Villen, Gräberfelder, Weihesteine, und sie zeigen, wie dicht diese Landschaft einst bewohnt und verehrt wurde. Ein schmaler Zickzackpfad führt vom Denkmal hinauf zum Plateau der Niederburg, zum sogenannten Opferaltar, jenem pilzförmigen Felsen, der nie ein Altar war. Ich stieg nicht gleich hinauf. Ich blieb noch ein wenig am Fuß des Sockels und hörte dem Wald zu.
Es war sehr still, bis auf das Rascheln des Laubes und das ferne Klopfen eines Spechts. Das Licht fiel schräg durch die Buchen auf den Stein und ließ die Buchstaben deutlicher hervortreten, als sie am Mittag gewesen waren. Ich dachte an Quintus Postumius Potens, der an diesem Felsen stand und sein Gelübde erfüllte, mit Hammer und Meißel oder mit Handwerkern, die für ihn arbeiteten, und an den Hund, den er vielleicht selbst besaß. Er hat nicht ahnen können, dass sein Name zweitausend Jahre überdauern würde, während die Göttin, der er ihn widmete, bis auf ihre Füße verschwand.
Als ich ging, blieb der Sockel im Dämmerlicht zurück, die Inschrift noch lesbar, das Gewand der Göttin kaum noch zu ahnen. Man kann ein Denkmal zerstören, dachte ich. Aber das Gelübde dahinter, das Bedürfnis, einem Wald einen Namen zu geben und ihn einer Göttin anzuvertrauen, lässt sich nicht aus dem Stein schlagen.