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Ariyabal-Kloster - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Ariyabal-Kloster

Reisen > Mongolei
An einem Berghang im Gorkhi-Terelj-Nationalpark liegt der Ariyabal-Tempel, umgeben von Felsen, bewaldeten Höhen und einem weiten Blick über das Tal. Schon der Aufstieg gehört zum Erlebnis dieses Ortes. Mit jedem Schritt verändert sich die Perspektive: Der Tempel rückt näher, die Landschaft öffnet sich, und die Gedanken finden einen anderen Rhythmus. Für mich liegt darin etwas Mystisches – als würde der Weg dazu einladen, unterwegs auch einen Teil der eigenen Unruhe zurückzulassen.

Für die historische Einordnung ist eine Tatsache wesentlich: Die heute sichtbare Anlage wurde zwischen 1998 und 2004 errichtet. Diese Bauzeit nennt die zuständige Nationalparkverwaltung. Ariyabal ist damit ein moderner buddhistischer Tempel und ein Meditationszentrum, dessen Gestaltung überlieferte religiöse Formen aufgreift. Die belastbaren Angaben betreffen vor allem diese jüngere Baugeschichte und die Ausstattung des Heiligtums. Eine jahrhundertealte archäologische Vergangenheit der heutigen Gebäude sollte daraus nicht abgeleitet werden.

Der Weg zum Tempel führt an Tafeln mit buddhistischen Lehrsätzen vorbei. Sie geben dem Aufstieg einen nachdenklichen Charakter: Zwischen Landschaft und Schrift entsteht immer wieder Gelegenheit, stehen zu bleiben. Eine Hängebrücke verbindet Abschnitte des Weges, bevor die Treppe zum eigentlichen Heiligtum hinaufführt. Die dokumentierten 108 Steinstufen sind Teil der bewusst gewählten Symbolik. Ihre langgestreckte Form wird mit dem Rüssel eines Elefanten in Verbindung gebracht.
Die Zahl 108 begegnet auch bei den Gebetsmühlen rund um das Tempelgebäude. Nach buddhistischer Vorstellung kann ihr Drehen die Rezitation der enthaltenen Gebete und Mantras begleiten beziehungsweise vertreten. Die Nationalparkverwaltung nennt in diesem Zusammenhang das Mantra Om mani padme hum. Auch in den Felsen der Umgebung finden sich religiöse Darstellungen und Schriftzeichen. Unter dem Dach zeigen Bildfolgen himmlische, menschliche und leidvolle Daseinsbereiche. Diese Motive gehören zur buddhistischen Bildsprache und geben dem Bauwerk eine Bedeutung, die über seine Architektur hinausreicht.

Zum Ensemble gehört außerdem eine kleine, als Milarepa-Höhle bezeichnete Stätte. Hier wurde ein natürlicher Felsbereich durch einen kleinen Tempelbau ergänzt. Ihr Name erinnert an den tibetischen Yogi Milarepa und dessen Bedeutung für die buddhistische Meditationstradition. Die Benennung ist als religiöse Widmung zu verstehen; sie belegt keinen Aufenthalt Milarepas in der Mongolei. Gerade die Verbindung aus rauem Fels und gestalteter Andachtsstätte lässt ahnen, weshalb solche Orte die Vorstellungskraft so stark ansprechen.

Als Autor fasziniert mich an Ariyabal besonders das Zusammenspiel von Bewegung und Besinnung. Eine Brücke wird in meiner Vorstellung zur Schwelle, eine Treppe zum inneren Weg, ein kurzer Lehrsatz zum Ausgangspunkt einer Geschichte. Über allem liegt die Weite der mongolischen Landschaft. Der Blick vom Tempel hinaus führt die Gedanken weiter – über die nächsten Felsen und Bergrücken hinweg, während der eigene Standpunkt für einen Augenblick ganz ruhig erscheint.
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