Georges Méliès
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Sein Leben
Georges Méliès wurde am 8. Dezember 1861 in Paris geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie von Schuhfabrikanten und arbeitete zunächst im väterlichen Unternehmen. Seine eigentliche Leidenschaft galt jedoch dem Zeichnen, dem Theater und der Zauberkunst. 1888 übernahm er das Pariser Théâtre Robert-Houdin, wo er Illusionsvorstellungen inszenierte und seine Fähigkeiten als Erfinder und Unterhaltungskünstler entwickelte.
Nachdem er 1895 den Cinématographe der Brüder Lumière kennengelernt hatte, begann Méliès 1896 selbst Filme zu drehen. In seinem Studio in Montreuil entstanden aufwendig gestaltete Kulissenwelten. Er arbeitete als Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller und Gestalter seiner Filme und schuf insgesamt mehr als 500 Werke. Sein berühmtester Film, „Die Reise zum Mond“ (Le Voyage dans la Lune, 1902), wurde zu einem Schlüsselwerk des frühen fantastischen Kinos.
Der Erfolg hielt nicht dauerhaft an. Wachsende Konkurrenz und wirtschaftliche Schwierigkeiten führten zum Ende seiner Filmproduktion. Später betrieb er gemeinsam mit seiner zweiten Frau, der Schauspielerin Jehanne d’Alcy, einen Spielzeug- und Süßigkeitenkiosk am Bahnhof Montparnasse. Noch zu Lebzeiten wurde sein Werk wiederentdeckt und gewürdigt.
Méliès starb am 21. Januar 1938 in Paris im Alter von 76 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise, Division 64.
Sein Werk im Bereich des Horrorfilms
Georges Méliès gehört für mich zu den faszinierendsten Wegbereitern des Horrorfilms. Seine Filme verbinden das Schauerliche mit Bühnenzauberei, Komik und der Freude am Unmöglichen. Gerade dieser spielerische Umgang mit Teufeln, Gespenstern und lebendig gewordenen Gegenständen gefällt mir: Man erlebt ein Kino, das seine Möglichkeiten mit sichtbarem Vergnügen entdeckt.
Besonders bekannt ist „Le Manoir du diable“ (1896), der häufig als erster Horrorfilm der Filmgeschichte bezeichnet wird. In einer Schlosskulisse verwandelt sich eine Fledermaus in einen Teufel, der Menschen mit Erscheinungen und Verwandlungen bedrängt. Skelette und Gespenster gehören zu seinem Repertoire. Die Einordnung als Horrorfilm erfolgt rückblickend: Ursprünglich stand das unterhaltsame Spiel mit Illusionen und überraschenden Effekten im Vordergrund.
Mich begeistert daran, wie viele vertraute Motive des späteren Horrorkinos hier bereits versammelt sind. Die Figuren und ihre Auftritte besitzen etwas Jahrmarkthaftes, zugleich erkennt man darin die Anfänge einer filmischen Bildsprache des Unheimlichen. Ein leerer Raum kann sich plötzlich mit Wesen füllen, denen die gewohnten Naturgesetze nichts anhaben.
In „L’Auberge ensorcelée“ (1897) wird die Unterkunft eines Reisenden zum Schauplatz widerspenstiger Magie. Gepäck verschwindet, Kleidung bewegt sich selbstständig, und selbst das Bett verweigert dem erschöpften Gast die ersehnte Ruhe.
Diese Idee finde ich besonders reizvoll: Ausgerechnet die vertrauten Dinge, die Sicherheit und Bequemlichkeit versprechen, entwickeln einen eigenen Willen. Darin steckt bereits ein Grundgedanke vieler späterer Spukhausgeschichten.
Eine makabre Variante seiner Verwandlungskunst zeigt „Le Monstre“ (1903). Ein ägyptischer Prinz lässt einen Priester versuchen, seine verstorbene Frau zurückzuholen. Ein Skelett erwacht, wird verhüllt und nimmt wechselnde Gestalten an.
Hier interessiert mich besonders die Verbindung von Verlust und Täuschung. Der Wunsch, einen geliebten Menschen wiederzusehen, macht den Prinzen zum Zuschauer eines grausamen Zauberspiels.
Mit Stopptricks, Mehrfachbelichtungen und ausgeklügelten Bühneneffekten erweiterte Méliès die Möglichkeiten, Unmögliches sichtbar zu machen. Seine gemalten Kulissen und die deutlich erkennbare Nähe zum Theater besitzen für mich einen eigenen Charme. Hinter den Bildern spürt man einen Menschen, der mit Einfallsreichtum und handwerklichem Können ganze Welten erschafft – und dabei früh entdeckt, wie eng Staunen, Lachen und Erschrecken im Kino beieinanderliegen.