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Inca Uyu - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Inca Uyu

Reisen > Peru
Unter dem weiten Himmel des peruanischen Hochlands liegt Inca Uyu, ein Ort, dessen steinerne Grenzen die Fantasie kaum einzufangen vermögen. Zwischen niedrigen Mauern ragen rätselhafte Steinformen aus der Erde. Wenn ihre Schatten im sinkenden Licht länger werden, scheinen sie eine stumme Versammlung zu bilden – als warteten sie darauf, dass jemand eine längst vergessene Sprache wieder versteht.

Die Anlage befindet sich in Chucuito, etwa 18 Kilometer südlich von Puno, auf rund 3.870 Metern Höhe. Der Name lässt sich sinngemäß als „Hof des Inka“ übersetzen; das Aymara-Wort uyu bezeichnet einen eingefriedeten Bereich. Chucuito war ein bedeutendes Zentrum des Lupaqa-Herrschaftsgebiets, bevor es unter die Kontrolle der Inka gelangte. Die sorgfältig bearbeiteten Steinmauern von Inca Uyu zeigen charakteristische Merkmale inkaischer Baukunst. Welchem Zweck das Gebäude ursprünglich diente, ist bislang nicht abschließend geklärt. Eine zeremonielle Nutzung wird vermutet.

Bekannt geworden ist Inca Uyu als „Tempel der Fruchtbarkeit“. Dazu tragen die aufgerichteten, pilz- oder phallusförmigen Steine bei. Ihre heutige Aufstellung darf allerdings nicht als unverändert erhaltenes Zeugnis eines alten Fruchtbarkeitskultes verstanden werden: Die offizielle Dokumentation hält fest, dass 1993 solche Steine aus benachbarten Häusern in die Anlage gebracht und dort aufgestellt wurden. Eine ursprüngliche Funktion als Fruchtbarkeitstempel ist nicht belegt.
Auch eine besondere Funktion als Zugang zum Totenreich oder als Stätte eines Totenkultes lässt sich für Inca Uyu nicht gesichert nachweisen. Eine Annäherung an dieses Thema eröffnet jedoch die religiöse Vorstellungswelt der weiteren Titicacaregion. Dort besaß die Verehrung der Ahnen große Bedeutung.

Archäologische und historische Forschungen zu den Grabanlagen von Sillustani und Cutimbo beschreiben Vorstellungen, in denen der Tod einen Übergang in eine andere, mit den Lebenden verbundene Existenz bedeutete. Durch Gaben und Zeremonien hielten Gemeinschaften die Beziehung zu ihren Verstorbenen aufrecht. Diese Befunde betreffen jene Bestattungsplätze; sie erklären keine konkreten Rituale in Inca Uyu.

Vor diesem Hintergrund lässt sich Inca Uyu als poetischer Ort des Nachdenkens über Werden und Vergehen erleben. Die Erde, aus der neues Leben wächst, nimmt auch die Toten auf. Über ihr bleiben die Steine zurück, während Generationen kommen und verschwinden. So entsteht in der Vorstellung eine Verbindung zum Totenreich: als leise Ahnung von den Menschen, deren Hände diese Mauern berührten und deren Gedanken uns entzogen bleiben.

Vielleicht liegt darin der besondere Zauber dieses Ortes. Seine offenen Fragen lassen Raum für Geschichten – und für einen Augenblick scheint es, als lausche die Vergangenheit mit.
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