Franz Kafka
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Sein Leben
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in Prag geboren. Er wuchs in einer deutschsprachigen jüdischen Kaufmannsfamilie auf und verfasste seine Werke auf Deutsch. Nach seinem Jurastudium an der Deutschen Universität in Prag promovierte er 1906. Ab 1908 arbeitete er bei der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen. Seinen Beruf übte er gewissenhaft aus, während das Schreiben zum Mittelpunkt seines inneren Lebens wurde. Die Verbindung dieser beiden Lebensbereiche blieb für ihn eine dauernde Herausforderung.
1917 erkrankte Kafka an Tuberkulose. In den folgenden Jahren bestimmten Krankheit, Erholungsaufenthalte und die Suche nach geeigneten Lebensbedingungen zunehmend seinen Alltag. 1923 lernte er Dora Diamant kennen, mit der er einige Monate in Berlin lebte. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch weiter. Am 3. Juni 1924 starb Kafka im Alter von 40 Jahren in einem Sanatorium in Kierling bei Wien. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag.
Zu Lebzeiten veröffentlichte Kafka nur einen Teil seiner Texte. Seinen Freund und Schriftstellerkollegen Max Brod hatte er angewiesen, hinterlassene Manuskripte zu vernichten. Brod widersetzte sich diesem Wunsch und veröffentlichte unter anderem die großen Romanfragmente. Seine Entscheidung war wesentlich dafür, dass Kafkas Werk nach dessen Tod weltweite Bekanntheit erlangte.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur
Kafka gehört zur literarischen Moderne. Für meine Beschäftigung mit Horrorliteratur ist besonders interessant, wie er das Vertraute bedrohlich werden lässt: Der eigene Körper verändert sich, eine Behörde wird zum undurchschaubaren Machtapparat, ein Zufluchtsort verwandelt sich in ein Gefängnis. Seine Figuren versuchen, solche Situationen mit alltäglichen Überlegungen zu bewältigen. Gerade diese Verbindung von Ungeheuerlichem und nüchterner Vernunft macht seine Texte für mich so verstörend.
Besonders deutlich wird das in „Die Verwandlung“ (1915). Gregor Samsa erwacht eines Morgens als monströses Ungeziefer. Trotzdem beschäftigen ihn zunächst auch ganz gewöhnliche Sorgen: seine Arbeit, die verpasste Zugverbindung und die Erwartungen seines Vorgesetzten. Darin liegt für mich die besondere Wirkung der Erzählung. Der körperliche Schrecken verbindet sich mit einer bedrückend vertrauten Angst: Was geschieht mit einem Menschen, wenn er plötzlich nicht mehr funktionieren kann? Kafkas sachlicher Ton lässt die unmögliche Situation erschreckend greifbar erscheinen.
Einen unmittelbar körperlichen Horror entfaltet „In der Strafkolonie“ (1919). Im Mittelpunkt steht eine Hinrichtungsmaschine, die dem Verurteilten das angeblich übertretene Gebot in den Körper einschreibt. Der verantwortliche Offizier erläutert ihre Funktionsweise mit technischer Genauigkeit und beinahe liebevoller Begeisterung. Mich erschüttert besonders diese Selbstverständlichkeit der Grausamkeit. Gewalt erhält hier den Anschein einer ordnungsgemäßen, vernünftigen Handlung. Dadurch wird die Erzählung zugleich zu einem beklemmenden Text über Gehorsam und entmenschlichte Macht.
In „Der Prozess“ (1925, posthum) gerät Josef K. in ein Gerichtsverfahren, dessen konkrete Anklage ihm verborgen bleibt. Seine Versuche, Klarheit zu gewinnen, führen ihn immer tiefer in eine undurchsichtige Ordnung. Für mich entsteht daraus ein besonders nachhaltiges Grauen: das Gefühl, ausgeliefert zu sein und nicht einmal zu verstehen, wogegen man sich verteidigen müsste. Die Suche nach einer Erklärung wird selbst zum Albtraum.
Auch die spät entstandene Erzählung „Der Bau“ beschäftigt mich durch ihre Darstellung wachsender Bedrohungsangst. Ein tierähnlicher Erzähler versucht, seinen unterirdischen Rückzugsort immer besser abzusichern. Doch jede Überlegung bringt neue Zweifel hervor. Ich lese darin die bedrückende Vorstellung, dass der Wunsch nach vollständiger Sicherheit schließlich das ganze Leben beherrschen kann.
Als Autor interessiert mich an Kafka besonders seine sprachliche Zurückhaltung. Präzise Beschreibungen und alltägliche Gedankengänge reichen aus, um eine Wirklichkeit entstehen zu lassen, deren Regeln sich entziehen. Für meine eigene Beschäftigung mit unheimlichen Geschichten liegt darin eine starke Anregung: Eine vertraute Welt kann ihre Sicherheit verlieren, während äußerlich alles seinen gewohnten Gang geht.