Maurice Tourneur
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Sein Leben
Maurice Tourneur wurde am 2. Februar 1876 in Paris unter dem Namen Maurice Félix Thomas geboren. Bevor er zum Film kam, arbeitete er als Grafiker und Illustrator und sammelte Erfahrungen im Umfeld des Bildhauers Auguste Rodin und des Malers Puvis de Chavannes. Anschließend wandte er sich dem Theater zu. Diese Verbindung von bildender Kunst und Schauspiel prägte seine spätere Arbeit als Regisseur.
1911 begann Tourneur bei der Filmgesellschaft Éclair zu arbeiten. 1914 ging er in die USA, wo er zunächst für deren Niederlassung in Fort Lee, New Jersey, inszenierte. Er entwickelte sich zu einem angesehenen Regisseur des amerikanischen Stummfilms. Zu seinen bekannten Arbeiten dieser Zeit gehören „The Wishing Ring“ (1914) und „The Blue Bird“ (1918). Sein Sohn Jacques Tourneur folgte ihm in die Filmbranche und wurde später ebenfalls ein bedeutender Regisseur.
In den späten 1920er Jahren kehrte Maurice Tourneur nach Europa zurück. Er arbeitete in Deutschland und Frankreich und setzte seine Karriere im Tonfilm fort. Sein Schaffen umfasste Kriminalfilme, Komödien, historische Stoffe und fantastische Geschichten. Ein schwerer Autounfall im Jahr 1949 beendete seine Regiearbeit. Danach beschäftigte er sich unter anderem mit der Übersetzung amerikanischer Kriminalromane ins Französische.
Maurice Tourneur starb am 4. August 1961 in Paris, im Alter von 85 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise, Division 71, an der Avenue Circulaire in der ersten Grabreihe. Die Grabstätte trägt die Inschrift „Famille Thomas Tourneur“.
Sein Werk im Bereich des Horrorfilms
Innerhalb seines vielseitigen Schaffens hinterließ Maurice Tourneur einige bemerkenswerte Beiträge zum unheimlichen Kino. Für mich liegt ihr Reiz besonders darin, wie schnell eine scheinbar beherrschbare Situation ihre Sicherheit verliert. Eine Besichtigung, eine leichtfertige Wette oder der Wunsch nach Erfolg können bei ihm den Ausgangspunkt einer verhängnisvollen Geschichte bilden.
Bereits „Le Système du docteur Goudron et du professeur Plume“ (1913) verbindet das frühe Kino mit der klassischen Schauerliteratur. Der Film entstand nach einem Stück des Grand-Guignol-Autors André de Lorde, das wiederum auf einer Erzählung von Edgar Allan Poe beruht. Ein Journalist besucht mit seiner Frau eine psychiatrische Anstalt und entdeckt, dass die Patienten die Herrschaft übernommen haben. Der Film gilt heute als verschollen.
Mich interessiert an ihm besonders die Verbindung zwischen Poes groteskem Humor und der drastischen Wirkung des Pariser Schreckentheaters: Hier lässt sich nachvollziehen, aus welchen literarischen und theatralischen Traditionen sich der frühe Horrorfilm entwickelte.
In „Figures de cire“ (1914) behauptet ein Mann, keine Angst zu kennen, und lässt sich auf eine Wette ein: Er will eine Nacht in einem Wachsfigurenkabinett verbringen. Zwischen den reglosen Gestalten wächst seine Unsicherheit schließlich zur Panik.
Mich fasziniert an diesem Stoff die trügerische Menschenähnlichkeit der Figuren. Ein unbewegtes Gesicht kann plötzlich bedrohlich wirken, sobald die eigene Vorstellungskraft ihm ein verborgenes Leben zuschreibt. Darin steckt für mich eine besonders wirkungsvolle Form des Grauens – die Angst verändert die Wahrnehmung und macht den Menschen selbst zur Gefahr.
Sein bekanntester Beitrag zum fantastischen Horror ist „La Main du diable“ (1943). Der erfolglose Maler Roland Brissot erwirbt einen unheimlichen Talisman, der ihm künstlerischen Erfolg und scheinbares Glück verschafft. Doch das Geschenk fordert seinen Preis.
Besonders reizvoll finde ich die Verbindung von Künstlergeschichte und Teufelspakt: Brissots Wunsch nach Anerkennung ist nachvollziehbar, und gerade dadurch wird seine Verstrickung beunruhigend. Für mich liegt die Stärke dieser Geschichte in der Versuchung, das eigene Gewissen für die Erfüllung eines Traums beiseitezuschieben. Der Schrecken beginnt bereits mit der Bereitschaft, die Bedingungen des vermeintlichen Glücks nicht allzu genau zu hinterfragen.
Was mich an Tourneurs düsteren Stoffen besonders beschäftigt, ist die Verletzlichkeit menschlicher Selbstgewissheit. Wer sich für furchtlos hält oder glaubt, sein Glück kontrollieren zu können, gerät auf unsicheren Boden. Diese Geschichten berühren für mich eine sehr persönliche Frage: Wie gut kennen wir uns eigentlich, solange unsere Überzeugungen noch keiner wirklichen Prüfung ausgesetzt waren?