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Quelle der Jugend - Sonneninsel - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Quelle der Jugend - Sonneninsel

Reisen > Bolivien
Die Quelle der Jugend von Yumani liegt auf der Sonneninsel, der Isla del Sol, im bolivianischen Teil des Titicacasees. Entlang der als Escalera del Inca bekannten Steintreppe begegnet man dieser kleinen Brunnenanlage, die auch Fuente del Inca genannt wird. Zwischen Steinmauern und dem Grün des Hanges fließt Wasser aus dem Berg. Sein gleichmäßiges Rauschen lässt die Vorstellung entstehen, hier folge die Zeit einem anderen Rhythmus.

Auf meinem Foto sind die drei Öffnungen der Brunnenfassung zu erkennen. Aus zweien fällt das Wasser in kräftigen Strahlen hinab und sammelt sich zwischen den eingefassten Steinen. Moos überzieht die feuchten Flächen, Wurzeln greifen über das Mauerwerk. Gerade diese Verbindung aus menschlicher Gestaltung und lebendiger Natur verleiht dem Ort seine besondere Ausstrahlung. Es wirkt, als hätte der Berg eine Stimme bekommen – leise, unermüdlich und schwer zu deuten.

Die Quelle gehört zu einer Landschaft mit einer archäologisch belegten religiösen Vergangenheit. Während ihrer Expansion im 15. und frühen 16. Jahrhundert bauten die Inka die Sonneninsel zu einem bedeutenden Pilgerzentrum aus. Tempel, Heiligtümer und Wege verbanden sich hier mit Erzählungen über den Ursprung ihrer Welt. Im Mittelpunkt stand der Heilige Felsen im Norden der Insel. Die Quelle bei Yumani liegt dagegen im Süden; die Geschichte dieses großen Heiligtums lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf den einzelnen Brunnen übertragen.

Die Verehrung dieser Landschaft reicht zudem über die Inka-Zeit hinaus. Unterwassergrabungen am Khoa-Riff nahe der Sonneninsel brachten Opfergaben aus der Tiwanaku-Zeit zum Vorschein, darunter keramische Räuchergefäße und kostbare Schmuckstücke. Diese Funde belegen rituelle Handlungen am See bereits vor der Herrschaft der Inka. Sie datieren jedoch weder die Quelle von Yumani noch ihre heute sichtbare Einfassung. Wie alt deren einzelne Mauerteile sind, lässt sich aus den hier herangezogenen Beschreibungen nicht sicher bestimmen.

Um das Wasser von Yumani rankt sich die Vorstellung, es könne Jugend und Lebenskraft bewahren. In überlieferten Erzählungen erhalten die drei Wasserläufe unterschiedliche Eigenschaften; ihr Zusammenwirken soll das Geheimnis der Verjüngung bergen. Darin liegt der Ursprung ihres geheimnisvollen Rufes als „Quelle der Jugend“. Diese Zuschreibungen gehören zur Legende und sind kein archäologischer Nachweis einer besonderen Wirkung des Wassers.

Mich fasziniert an diesem Ort die Sehnsucht, die in seinem Namen steckt. Wasser tritt aus dem Dunkel der Erde ans Licht, sammelt sich für einen Augenblick und fließt weiter. Darin lässt sich ein Bild von Erneuerung erkennen, das ganz ohne Erklärung berührt. Für meine Fantasie beginnt hier eine Geschichte: bei einem unscheinbaren Brunnen, einem uralten Wunsch und dem Flüstern des Wassers zwischen den Steinen.

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