Gaston Louis Alfred Leroux
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Sein Leben
Gaston Louis Alfred Leroux wurde am 6. Mai 1868 in Paris geboren. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er überwiegend in der Normandie. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Paris und arbeitete zunächst als Anwalt. Bald verlagerte sich sein beruflicher Schwerpunkt auf den Journalismus: Als Gerichtsreporter und später als Auslandsreporter berichtete er über spektakuläre Prozesse und politische Ereignisse. Für die Zeitung Le Matin führten ihn seine Reisen unter anderem nach Russland, wo er die Umbrüche des Jahres 1905 miterlebte.
Ab 1907 widmete sich Leroux hauptsächlich der Schriftstellerei. Mit „Das Geheimnis des gelben Zimmers“, der ersten Geschichte um den jungen Reporter und Ermittler Joseph Rouletabille, gelang ihm ein großer literarischer Erfolg. Es folgten zahlreiche Kriminal-, Abenteuer- und phantastische Romane, die häufig zunächst als Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen erschienen. Daneben schrieb er für das Theater und beteiligte sich als Drehbuchautor und Produzent am frühen französischen Kino.
Seine späteren Lebensjahre verbrachte Leroux an der Côte d’Azur, zunächst in Menton und anschließend in Nizza. Dort starb er am 15. April 1927 im Alter von 58 Jahren nach einer Operation. Sein Grab befindet sich auf dem Cimetière du Château in Nizza.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur
Was mich an Gaston Leroux besonders interessiert, ist seine Verbindung von Kriminalrätsel, düsterer Atmosphäre und menschlicher Tragik. Seine Geschichten führen durch geheime Gänge, hinter verschlossene Türen und in die verborgenen Bereiche der menschlichen Seele. Dabei bleibt oft lange offen, ob hinter den erschreckenden Ereignissen etwas Übernatürliches steckt. Diese Unsicherheit macht für mich einen wesentlichen Teil ihres Reizes aus.
Sein bekanntestes Werk ist „Das Phantom der Oper“ (1910). Im Zentrum steht Erik, ein entstellter, musikalisch hochbegabter Mann, der im Verborgenen der Pariser Oper lebt und eine besitzergreifende Leidenschaft für die Sängerin Christine Daaé entwickelt. Die unterirdischen Räume, rätselhaften Todesfälle und unsichtbaren Bedrohungen geben dem Roman seine beklemmende Atmosphäre.
Besonders eindrucksvoll finde ich jedoch die widersprüchliche Wirkung seiner Hauptfigur: Erik kann Angst und Mitgefühl zugleich hervorrufen. Seine Sehnsucht nach Zuneigung verbindet sich mit dem Wunsch, einen anderen Menschen vollständig zu beherrschen. Gerade dieser Konflikt verleiht dem Schrecken emotionale Tiefe.
Durch die Stummfilmfassung mit Lon Chaney von 1925 und zahlreiche weitere Adaptionen wurde das Phantom auch zu einer berühmten Gestalt des Horrorfilms. Andrew Lloyd Webbers Musical von 1986 trug zusätzlich zur weltweiten Bekanntheit der Geschichte bei.
Eine andere Form des Unheimlichen begegnet mir in „La Double Vie de Théophraste Longuet“, erstmals 1903 als Fortsetzungsroman veröffentlicht. Ein unscheinbarer Bürger gerät unter den Einfluss des historischen Verbrechers Cartouche, dessen Persönlichkeit in ihm wiederkehrt. Leroux verbindet dabei phantastisches Abenteuer mit grotesken und komischen Elementen. Mich beschäftigt vor allem die Vorstellung, dass die eigene Identität plötzlich durchlässig wird: Erinnerungen, Wünsche und Handlungen gehören einem womöglich nicht mehr selbst. Darin liegt ein sehr persönlicher, beunruhigender Schrecken.
Auch „La Poupée sanglante“ und die Fortsetzung „La Machine à assassiner“, beide 1923 zunächst als Fortsetzungsromane erschienen, zeigen Leroux’ Freude an unheimlichen Grenzüberschreitungen. Um den künstlichen Menschen Gabriel entfaltet sich eine Geschichte voller Mordverdacht, wissenschaftlicher Experimente und rätselhafter Vorgänge. Hier interessiert mich besonders die Verbindung von vertrauter menschlicher Gestalt und verstörender Künstlichkeit. Leroux spielt mit der Frage, woran wir Menschlichkeit überhaupt erkennen – und wie leicht sich unser Blick täuschen lässt.
Als Autor reizt mich an Leroux besonders, wie eng er Schauplätze und Figuren miteinander verbindet. Die verborgenen Räume der Oper werden zum Lebensraum eines Menschen, der selbst verborgen bleiben muss. Daraus nehme ich eine starke Anregung für unheimliche Geschichten mit: Ein Schauplatz gewinnt an Wirkung, wenn seine Geheimnisse zugleich etwas über die Menschen erzählen, die ihn bewohnen.