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Charles Nodier - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Charles Nodier

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Sein Leben

Charles Nodier wurde am 29. April 1780 in Besançon geboren. Er entwickelte vielseitige Interessen: Neben Literatur und Sprachen beschäftigten ihn Naturwissenschaften, insbesondere die Insektenkunde, sowie das Sammeln und Erforschen alter Bücher. Seine frühen Lebensjahre waren von den politischen Umbrüchen der Französischen Revolution und der napoleonischen Zeit geprägt. Eine gegen Napoleon gerichtete Dichtung brachte ihm zeitweilig eine Gefängnisstrafe ein. Später arbeitete er als Journalist, Übersetzer und Bibliothekar.

Eine entscheidende Wendung nahm sein Leben 1824 mit seiner Ernennung zum Bibliothekar an der Bibliothèque de l’Arsenal in Paris. Hier fand seine Leidenschaft für Bücher ein Zuhause. Gemeinsam mit seiner Familie veranstaltete er literarische Abende, die zu einem bedeutenden Treffpunkt der französischen Romantik wurden. Zu den Gästen gehörten Victor Hugo, Alexandre Dumas, Gérard de Nerval und Théophile Gautier. Lesungen, Gespräche und Musik machten den Salon zu einem Ort des Austauschs zwischen Schriftstellern und Künstlern.

1833 wurde Nodier in die Académie française aufgenommen. Sein umfangreiches Werk umfasste Erzählungen, Romane, sprachwissenschaftliche Untersuchungen und bibliografische Arbeiten.

Er starb am 27. Januar 1844 in Paris, im Alter von 63 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise, Division 49, am Chemin Casimir Delavigne. In seinem Grabmonument steht eine Büste des Schriftstellers.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur

An Charles Nodier schätze ich besonders die Verbindung von belesener Neugier und erzählerischer Fantasie. Seine Geschichten führen in eine Welt, in der alte Überlieferungen, nächtliche Ängste und unerfüllte Wünsche eine eigene Macht besitzen. Dabei reicht sein Spektrum vom grausigen Albtraum bis zum melancholischen Kunstmärchen. Gerade diese Vielfalt macht ihn für mich zu einer interessanten Gestalt in der frühen Geschichte der Horrorliteratur.

Besonders deutlich zeigt sich seine düstere Seite in „Smarra oder Die Dämonen der Nacht“ (Smarra, ou les démons de la nuit, 1821). Die Erzählung entfaltet eine verschachtelte Traumwelt voller bedrohlicher Gestalten und schrecklicher Visionen. Der titelgebende Dämon verkörpert eine nächtliche Bedrohung, die den Schlafenden überwältigt.
Besonders wirksam finde ich, dass auch die Form der Geschichte den Eindruck eines Albtraums erzeugt: Bilder verdrängen einander, vertraute Zusammenhänge lösen sich auf, und ein sicherer Ausgang scheint immer wieder zu verschwinden.

„Inès de las Sierras“ (1837) greift die Atmosphäre der klassischen Schauergeschichte auf. Drei französische Offiziere suchen in Spanien eine Unterkunft und verbringen die Weihnachtsnacht in einem verrufenen Schloss. Eine grausige Überlieferung berichtet von Mord und wiederkehrenden Toten; die Begegnung mit einer rätselhaften Frau scheint diese Geschichte zum Leben zu erwecken.
Mich reizt daran besonders, wie Nodier die Erwartungen seiner Figuren vorbereitet. Eine gehörte Legende genügt, um einen fremden Ort mit Angst aufzuladen – noch bevor dort etwas Ungewöhnliches geschieht.

Eine märchenhafte und zugleich schmerzliche Seite zeigt „Trilby oder Der Kobold von Argail“ (Trilby, ou le lutin d’Argail, 1822). In dieser von schottischer Landschaft und Überlieferung angeregten Erzählung verliebt sich ein Hausgeist in eine verheiratete Frau. Seine Anwesenheit und seine Verbannung bringen ihre Gefühlswelt durcheinander.
Hier berührt mich, wie eng die Sehnsucht nach dem Wunderbaren mit Verlust verbunden ist. Das Übernatürliche kann Trost versprechen und zugleich das vertraute Leben gefährden.

Nodier beschäftigte sich auch theoretisch mit dieser Literatur: 1830 erschien sein Essay „Du fantastique en littérature“.

Seine Bedeutung liegt für mich deshalb ebenso im Erzählen wie darin, der Fantastik Raum zu geben. Er gehört zu jenen Autoren, bei denen ich besonders deutlich erkenne, wie viel unheimliche Kraft in einem Traum, einer alten Sage oder einer Geschichte steckt, die jemand spät am Abend zu erzählen beginnt.
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