Direkt zum Seiteninhalt

Huaca Pachatosa - Lyakon

Menü überspringen
Non omnis moriar.
(Horaz)

Huaca Pachatosa

Reisen > Peru
Mitten zwischen den Häusern Cuscos erhebt sich Huaca Pachatosa wie eine Erinnerung, die sich nicht verdrängen lässt. Ein mächtiger Fels ragt über die Grünfläche, daneben liegt ein niedrigerer, sorgfältig bearbeiteter Stein. Hinter ihnen wachsen die Häuser den Hang hinauf. Diese unmittelbare Nachbarschaft berührt mich: Das heutige Leben umgibt einen Ort, an dem Menschen einst Antworten auf Fragen suchten, die vielleicht auch uns noch beschäftigen.

Die heute als Pachatosa beziehungsweise Mesa Redonda bekannte Anlage liegt bei San Blas. Ihre Nutzung während der Inkazeit ist archäologisch belegt. Der Begriff Huaca bezeichnet im andinen Zusammenhang etwas Heiliges; auch Felsen, Quellen und Berge konnten als solche verehrt werden. Die Landschaft war damit zugleich ein Raum religiöser Beziehungen.

Besonders eindrucksvoll sind die Bearbeitungen im Fels. Waagerechte Absätze, Aussparungen und kleine Stufen unterbrechen die raue Oberfläche. An manchen Stellen wirken sie beinahe wie die Reste einer Treppe, deren Ziel verloren gegangen ist. Ihre klaren Kanten verraten menschliche Hände. Für mich entsteht daraus eine eigentümliche Spannung: Der Stein behält seine natürliche Gestalt und trägt zugleich die Spuren einer Absicht, die wir heute nur noch teilweise verstehen.
Einen konkreten Einblick geben die Ausgrabungen von 2010. Carlos Delgado González und Miriam Dayde Aráoz Silva dokumentierten eine steinerne Brunnenanlage mit unterirdischen Wasserkanälen. Zu den Funden gehörten bemalte Inka-Keramik, Holzkohle, Koka-Samen und eine Spondylus-Muschel. Brandspuren und Fundzusammenhänge deuten die Forschenden als Hinterlassenschaften ritueller Handlungen. Geborgen wurde außerdem eine steinerne Darstellung einer Knolle, vermutlich einer Kartoffel: eine sogenannte Illa, die sie als sakralen Gegenstand einordnen.

Gerade diese kleine steinerne Knolle lässt mich innehalten. Zwischen den gewaltigen Felsen bekommt das unscheinbare Objekt etwas Nahbares. In meiner Vorstellung verbinden sich damit Hoffnungen auf Nahrung, Wachstum und das Fortbestehen einer Gemeinschaft. Solche Gedanken geben den Steinen eine menschliche Nähe.

Aus früheren Grabungen sind auch menschliche Knochen bekannt. Delgado und Aráoz diskutieren einen Bezug zum Ahnenkult und eine Funktion als Orakelheiligtum. Diese Einordnung bleibt eine wissenschaftliche Interpretation; die konkreten Zeremonien lassen sich aus den Befunden nicht sicher rekonstruieren.

Der Gedanke an ein Orakel verleiht Pachatosa für mich eine besondere Tiefe. Ich stelle mir vor, wie jemand vor diesem Felsen auf eine Antwort wartet – mit einer Sorge, einer Bitte, einer Entscheidung. Rundherum stehen heute Häuser, Menschen gehen ihrem Alltag nach. Der Fels bleibt. Vielleicht liegt darin die stille Magie dieses Ortes: Über Jahrhunderte verändern sich die Stimmen um ihn herum, während die Fragen nach Schutz, Herkunft und Zukunft vertraut bleiben.
Zurück zum Seiteninhalt