Jean Rollin
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Sein Leben
Jean Rollin wurde am 3. November 1938 in Neuilly-sur-Seine bei Paris geboren. Als Sohn eines Theaterdirektors kam er früh mit der Bühne und einem künstlerisch geprägten Umfeld in Berührung. Zu den Bekannten seiner Familie gehörte der Schriftsteller und Philosoph Georges Bataille. Literatur, fantastische Geschichten und das Kino begleiteten Rollin bereits seit seiner Jugend und prägten später seine eigenwillige Bildsprache.
Nach ersten Kurzfilmen erschien 1968 sein erster abendfüllender Spielfilm, „Le Viol du vampire“. Die experimentelle Verbindung von Vampirgeschichte, Erotik und surrealistischen Szenen löste bei den Pariser Vorführungen heftige Ablehnung aus. Rollin erwog zeitweise, das Filmemachen aufzugeben, setzte seine Arbeit jedoch fort. In den folgenden Jahren entwickelte er mit weiteren Vampirfilmen eine unverwechselbare Handschrift.
Seine Karriere blieb von finanziellen Schwierigkeiten und mangelnder Anerkennung geprägt. Um seinen Lebensunterhalt und persönliche Filmprojekte zu finanzieren, übernahm er auch Auftragsarbeiten und drehte unter Pseudonymen Erotik- und Pornofilme. Erst allmählich fand sein fantastisches Kino ein Publikum, das seine künstlerischen Eigenheiten schätzte. Neben seiner Regiearbeit veröffentlichte Rollin außerdem fantastische Romane und Erzählungen.
Jean Rollin starb am 15. Dezember 2010 in Paris, im Alter von 72 Jahren, nach langer Krankheit. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise, Division 27, am Chemin Saint-Louis in der ersten Grabreihe. Sein Name steht auf dem Familiengrab Lefebvre-Bezault.
Sein Werk im Bereich des Horrorfilms
Für mich gehört Jean Rollin zu den eigenwilligsten Stimmen des europäischen Horrorfilms. Seine verfallenen Schlösser, verwilderten Friedhöfe und einsamen Strände bilden eine Welt, in der Sehnsucht, Erotik und Tod eng miteinander verbunden sind. Viele seiner Geschichten folgen einer Traumlogik: Begegnungen bleiben rätselhaft, Bilder erhalten mehr Gewicht als Erklärungen. Gerade diese melancholische Offenheit macht sein Kino für mich interessant.
Besonders nahe liegt mir als Motiv „Die eiserne Rose“ (La Rose de fer, 1973). Ein junges Paar besucht einen Friedhof und findet bei Einbruch der Dunkelheit den Ausgang nicht mehr. Aus einem gemeinsamen Ausflug entwickelt sich eine zunehmend verstörende Erfahrung.
Mich fasziniert, wie Rollin den Friedhof zu einem Raum macht, in dem Orientierung und Zeitgefühl verloren gehen. Zwischen Grabsteinen und Gruften wächst eine Angst, die sich kaum an einer konkreten Bedrohung festmachen lässt. Für meine Beschäftigung mit Friedhöfen ist gerade dieser Übergang von stiller Schönheit zu Beklemmung besonders reizvoll.
In „Fascination“ (1979) sucht ein flüchtiger Dieb Zuflucht in einem Schloss. Dort begegnet er zwei Frauen, deren scheinbare Verletzlichkeit ihn über die tatsächlichen Machtverhältnisse hinwegtäuscht. Berühmt ist das Bild von Brigitte Lahaie mit einer Sense, das Verführung und tödliche Gefahr unmittelbar zusammenführt.
Für mich verdichtet sich darin viel von Rollins Kunst: Eine einzelne Gestalt, ein Kleidungsstück und eine Waffe genügen, um ein ebenso elegantes wie unheilvolles Bild zu schaffen. Die erotische Anziehung gehört dabei untrennbar zur Bedrohung.
„La Morte vivante“ (The Living Dead Girl, 1982) zeigt eine deutlich blutigere Seite seines Schaffens. Die verstorbene Catherine kehrt ins Leben zurück und entwickelt einen unstillbaren Hunger nach Blut. Ihre Jugendfreundin Hélène versucht, sie zu bewahren, und beschafft ihr dafür Opfer.
Mich beschäftigt an dieser Geschichte besonders die zerstörerische Bindung zwischen den beiden Frauen. Zuneigung wird zur Rechtfertigung immer grausamerer Handlungen. Hinter dem körperlichen Horror liegt für mich die tragische Frage, was geschieht, wenn ein Mensch einen geliebten anderen um keinen Preis loslassen kann.
Rollins langsame Erzählweise verlangt Geduld. Ich schätze jedoch gerade die Freiheit, die seine Filme dem eigenen Empfinden lassen. Ein verlassener Strand oder eine Gestalt zwischen Gräbern kann bei ihm eine Stimmung erzeugen, die lange nachwirkt – weil sie etwas Vertrautes berührt und zugleich fremd erscheinen lässt.