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Sillustani - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Sillustani

Reisen > Peru
Der Wind streicht über das karge Hochland, kräuselt das Wasser des Umayo-Sees und verliert sich zwischen mächtigen Steintürmen. Auf einer Halbinsel nahe Puno, rund 3.900 Meter über dem Meer, liegen die Chullpas von Sillustani. Ihre dunklen Öffnungen und verwitterten Mauern lassen den Ort wie eine Landschaft des Übergangs erscheinen: Hinter uns liegt die Welt der Lebenden, vor uns schweigen die Häuser der Toten.

Die Chullpas sind oberirdische Grabtürme. Die wichtigste Nutzungsphase des Bestattungsplatzes reicht ungefähr vom 12. bis ins 16. Jahrhundert. Sillustani war ein bedeutendes Toten- und Zeremonialzentrum der Colla und wurde unter der Herrschaft der Inka weitergenutzt. Neben Türmen aus unregelmäßigen Steinen stehen Bauten mit sorgfältig bearbeiteten, eng gefügten Blöcken. Die größten erreichen etwa zwölf Meter Höhe. Die Unterschiede in Bauweise und Ausstattung zeugen von einer langen Nutzungsgeschichte und gesellschaftlichen Rangunterschieden.

Wie viel Aufwand die Menschen diesem Ort widmeten, zeigen auch die Funde. 1971 wurden nahe der Chullpa del Lagarto zahlreiche Goldobjekte sowie Schmuckbestandteile aus Muschelschalen und Stein entdeckt. Der Archäologe Wilber Bolívar deutet das Ensemble als kostbare Ausstattung eines hochrangigen Menschen, wahrscheinlich aus einem Bestattungskontext. Zugleich weist er auf Lücken in der damaligen Dokumentation hin: Die genaue Fundsituation lässt sich nicht vollständig rekonstruieren. Hier zeigt sich die Grenze zwischen dem, was erhalten geblieben ist, und dem, was wir daraus erschließen können.
Die Verbindung zum Totenreich führt in Sillustani vor allem über die Verehrung der Ahnen. Archäologische Forschung und historische Überlieferungen beschreiben für die Region eine Vorstellung vom Tod als Übergang in eine andere, mit der Welt der Lebenden verbundene Existenz. Die Verstorbenen behielten Bedeutung für ihre Nachkommen, deren Gemeinschaft und deren Beziehung zum Land. De la Vega und Stanish interpretieren Sillustani als Ziel wiederkehrender Pilgerfahrten, bei denen die Ahnen durch Gaben und Zeremonien geehrt wurden. Die Grabstätten blieben damit Orte der Begegnung und gemeinschaftlichen Erinnerung.

Vor diesem Hintergrund bekommen die steinernen Türme eine besondere Gegenwart. Sie bewahrten die Toten inmitten einer Landschaft, durch die weiterhin Menschen gingen, Stimmen klangen und Opfergaben getragen wurden. Welche Worte dabei gesprochen wurden und wie jeder einzelne Ritus aussah, lässt sich heute nur teilweise erschließen. Doch die Vorstellung einer Schwelle zwischen den Welten erhält hier einen historischen Anknüpfungspunkt: die fortdauernde Beziehung zwischen den Lebenden und ihren Ahnen.

Für mich liegt darin der eigentümliche Zauber Sillustanis. Zwischen Wasser, weitem Himmel und schweigenden Grabtürmen wird die Frage spürbar, was von einem Menschen bleibt. Wenn das Licht sinkt und die Schatten länger werden, kann es scheinen, als hielten die Chullpas noch immer Wache – über die Toten und über die Geschichten, die wir ihnen anvertrauen.
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