Mary Wollstonecraft Shelley
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Sein Leben
Mary Wollstonecraft Shelley wurde am 30. August 1797 in London als Mary Wollstonecraft Godwin geboren. Ihre Eltern waren die Frauenrechtlerin und Schriftstellerin Mary Wollstonecraft und der Philosoph und Autor William Godwin. Ihre Mutter starb elf Tage nach ihrer Geburt. Mary wuchs in einem intellektuellen Umfeld auf, erhielt überwiegend Unterricht zu Hause und konnte früh die umfangreiche Bibliothek ihres Vaters nutzen.
1814 verließ sie mit dem damals bereits verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley England und reiste durch Europa. Die Beziehung führte zum Bruch mit ihrem Vater und zu gesellschaftlicher Ablehnung. Nach dem Tod von Percys erster Frau heirateten Mary und Percy am 30. Dezember 1816.
Ein entscheidender Moment ihrer schriftstellerischen Entwicklung war der Sommer 1816 am Genfer See. Im Kreis um Lord Byron, zu dem auch Percy Shelley und John Polidori gehörten, entstand die Idee, eigene Schauergeschichten zu schreiben. Die damals achtzehnjährige Mary entwickelte daraus den Ausgangspunkt für „Frankenstein“, den sie anschließend zu einem Roman ausarbeitete.
Ihr Leben war von schweren Verlusten geprägt. Drei ihrer vier Kinder starben früh; nur Percy Florence Shelley erreichte das Erwachsenenalter. 1822 ertrank ihr Mann bei einem Segelunglück vor der italienischen Küste. Mary kehrte 1823 nach England zurück und arbeitete weiter als Schriftstellerin. Zugleich betreute sie den literarischen Nachlass ihres Mannes und gab seine Werke heraus.
Mary Shelley starb am 1. Februar 1851 in London im Alter von 53 Jahren. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Kirchhof der St. Peter’s Church in Bournemouth. Auch die sterblichen Überreste ihrer Eltern wurden aus London dorthin überführt und im Familiengrab beigesetzt.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur
Für mich gehört Mary Shelley zu den prägenden Stimmen der Horrorliteratur. Mit „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, erstmals 1818 anonym veröffentlicht, schuf sie eine Geschichte, deren Fragen nach wissenschaftlichem Ehrgeiz und Verantwortung bis heute beschäftigen. Bei der Veröffentlichung war sie gerade zwanzig Jahre alt. Dass ein so frühes Werk eine derart lange Wirkung entfalten konnte, finde ich bemerkenswert.
Im Mittelpunkt steht der junge Wissenschaftler Victor Frankenstein, der künstlich Leben erschafft und sich anschließend voller Entsetzen von seiner Kreatur abwendet. Besonders berührt mich die Einsamkeit dieses Wesens: Es kann denken, fühlen und sich nach Zuneigung sehnen, begegnet aber immer wieder Angst und Ablehnung. Seine Entwicklung zur gewalttätigen Gestalt macht den Roman für mich so schmerzhaft. Man versteht seine Verzweiflung, während seine Taten zunehmend erschreckender werden.
Gerade darin liegt für mich die Stärke des Buches. Shelley zwingt mich, über die Verantwortung des Schöpfers ebenso nachzudenken wie über die Entscheidungen seiner Kreatur. Frankensteins Wunsch, die Grenzen des Lebens zu überwinden, ist untrennbar mit seiner Unfähigkeit verbunden, für das Geschaffene einzustehen. Der Schrecken gewinnt dadurch eine moralische und emotionale Tiefe, die weit über die berühmten Bilder der Filmadaptionen hinausreicht.
Auch „The Last Man“ (1826) zeigt ihre außergewöhnliche Vorstellungskraft. Dieser frühe Roman der apokalyptischen Science-Fiction schildert eine zukünftige Welt, in der eine verheerende Seuche die menschliche Zivilisation zugrunde richtet. Mich beschäftigt daran besonders die zunehmende Vereinsamung des Erzählers Lionel Verney. Die vertraute Welt verschwindet mit den Menschen, die ihr Bedeutung gegeben haben. Diese Verbindung von Weltuntergang und persönlicher Trauer empfinde ich als besonders beklemmend.
In der Erzählung „The Mortal Immortal“ (1833) greift Shelley die Sehnsucht nach Unsterblichkeit auf. Ein junger Mann trinkt ein Elixier des Alchemisten Cornelius Agrippa und lebt über Jahrhunderte weiter, während seine geliebte Frau altert und stirbt. Für mich liegt das Unheimliche hier im endlosen Überleben: Zeit wird zur Last, weil gemeinsame Zukunft und menschliche Nähe verloren gehen.
Ich schätze an Mary Shelley, wie eng sie ihre düsteren Ideen mit menschlichen Bedürfnissen verbindet. Zuneigung, Zugehörigkeit und die Angst vor Verlust geben ihrem Horror seine Kraft. Ihre Figuren bleiben mir nahe, selbst wenn ihre Geschichten längst die Grenzen des Möglichen überschritten haben.