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Pilkokaina - Sonneninsel - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Pilkokaina - Sonneninsel

Reisen > Bolivien
Im Süden der bolivianischen Sonneninsel liegen die Ruinen von Pilkokaina über dem Titicacasee. Hinter den steinernen Mauern öffnen sich dunkle Kammern, davor breitet sich das Wasser bis zu den fernen Bergen aus. Das helle Licht der Anden und die Schatten im Inneren verleihen dem Bauwerk eine eigentümliche Spannung. Es wirkt, als bewachten seine Türöffnungen eine Erinnerung, die längst ihren Namen verloren hat.

Pilkokaina, auch Pilco Kayma oder Pilcocaina geschrieben, gehört zu den markanten Inka-Bauten der Insel. Das mehrkammerige Gebäude besaß zwei Geschosse und war von Terrassen umgeben. Besonders auffällig sind seine trapezförmigen Öffnungen und die mehrfach gestaffelten Türrahmen. Der Archäologe Charles Stanish beschreibt außerdem Hinweise auf einen ursprünglichen Verputz, der vermutlich mit gelben und roten Pigmenten bemalt war. Die heute vorherrschenden erdigen Steinfarben vermitteln somit nur einen Teil seines einstigen Erscheinungsbildes.

Im Inneren ziehen Wandnischen und steinerne Überdeckungen den Blick auf sich. Bei den sogenannten Kraggewölben rücken die übereinanderliegenden Steinlagen schrittweise nach innen, bis sie den Raum überspannen. Diese Bauweise und die aufwendig gefassten Eingänge zeugen von sorgfältiger Planung. Zum heutigen Zustand gehört allerdings auch die Geschichte seiner Erhaltung: Nach einem durch Wasserschäden verursachten Teileinsturz im Februar 2022 wurden Mauern und Gewölbe restauriert. An den Arbeiten beteiligten sich auch Handwerker aus Yumani, deren Wissen über traditionelle Materialien in die Wiederherstellung einfloss.

Häufig wird Pilkokaina als „Inkapalast“ oder „Sonnentempel“ bezeichnet. Seine genaue ursprüngliche Funktion ist jedoch nicht sicher geklärt. Die Archäologen Brian S. Bauer und Charles Stanish weisen darauf hin, dass frühe kolonialzeitliche Beschreibungen keine eindeutige Auskunft über dieses auffällige Gebäude geben. Die Vorstellung eines Herrschers, der hier über den See blickte, besitzt zweifellos ihren Reiz. Als gesicherte Geschichte lässt sie sich daraus nicht ableiten.
Gut belegt ist dagegen die Bedeutung der Sonneninsel als Pilgerzentrum während der Inka-Zeit. In der Überlieferung war sie ein Ursprungsort der Sonne. Bauer und Stanish rekonstruieren einen Weg, auf dem Ankommende vom südlichen Landungsplatz an Pilkokaina vorbeizogen und weiter zum Heiligtum um den Felsen Titikala im Norden gelangten. Das Gebäude stand damit innerhalb einer Landschaft, in der Wege, Wasser, Felsen und Architektur religiöse Bedeutung erhielten. Die Insel wurde im 15. und frühen 16. Jahrhundert zu einem wichtigen Schauplatz des Inka-Staatskultes.

Eine besondere Begegnung war die Zeremonie mit einem Schamanen am „Herz des Pumas“. Vor dem markanten, aus der Mauer hervortretenden Stein bekam Pilkokaina für mich eine sehr persönliche Bedeutung. Rote Rosen und gelbe Blumen schmückten die Nische darüber, helle Blütenblätter lagen auf dem Stein. Während sich der Schamane diesem Ort zuwandte, schien die Stille zwischen den Mauern dichter zu werden. Der Name ließ das unbewegte Gestein beinahe lebendig erscheinen – als schlüge tief darin ein Herz, dessen Rhythmus sich nur mit Geduld erahnen lässt. Diese heutige Zeremonie fügte den archäologischen Spuren eine menschliche Nähe hinzu: Menschen begegnen dem Ort weiterhin mit Ehrfurcht und geben ihrer Verbundenheit mit ihm Ausdruck.

Für mich liegt der Zauber von Pilkokaina in seinen offenen Fragen. Die Mauern sind greifbar, die Menschen hinter ihnen bleiben schemenhaft. Wer wartete in diesen Räumen? Welche Erwartungen begleiteten jene, die auf dem Weg zum Heiligtum vorbeikamen? Zwischen den leeren Nischen und dem Licht der Türöffnungen findet die Fantasie ihren eigenen Zugang. Draußen bewegt der Wind das Wasser. Drinnen scheint die Stille noch immer auf Schritte zu warten.
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