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Q'enqo - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Q'enqo

Reisen > Peru
Ein schmaler Spalt öffnet sich im Fels von Q’enqo. Wenige Schritte führen zwischen hohen Steinwänden hindurch, dann senkt sich die Felsdecke über den Weg. Das Tageslicht erreicht den Innenraum nur noch durch einzelne Öffnungen. Im Halbdunkel erscheinen glatte Flächen, kantige Nischen und steinerne Absätze. Für mich wirkt dieser Ort, als hätte jemand im Inneren des Berges Räume für eine Begegnung geschaffen, deren Regeln wir heute kaum noch verstehen.

Q’enqo liegt oberhalb von Cusco, auf rund 3.600 Metern Höhe, im Archäologischen Park von Saqsaywaman. Der größere, gewöhnlich besuchte Bereich wird als Q’enqo Grande bezeichnet. Seine inkazeitliche Gestaltung verbindet einen natürlichen Felskörper mit Mauern, einem halbkreisförmigen Platz, Terrassen und bearbeiteten Innenräumen. Die erhaltenen Strukturen zeigen, wie umfassend die Erbauer den Felsen in ihre Architektur einbezogen.

Vor dem Felsmassiv liegt ein halbkreisförmiger Platz mit einer Mauer, in der sich neunzehn Nischen befinden. Ein aufgerichteter Stein erhebt sich auf einer eingefassten Plattform. Diese Anordnung gibt dem Ort einen deutlich gestalteten Mittelpunkt. Die häufig verwendete Bezeichnung „Amphitheater“ beschreibt zunächst seine Form; über die dort abgehaltenen Zusammenkünfte wissen wir wesentlich weniger als über die erhaltene Architektur.

Besonders faszinieren mich die seltsamen Formen im Fels. Auf meinen Bildern wechseln zerklüftete Oberflächen unvermittelt mit fast ebenen Wänden. Rechteckige Vertiefungen wirken wie Fenster, die im Stein enden. Andere Bearbeitungen erinnern an Sitze, Stufen oder breite Tische. Unter der unregelmäßigen Decke erscheinen ihre geraden Kanten beinahe unwirklich. Licht hebt eine Fläche hervor und lässt die benachbarte Vertiefung dunkel zurück. Mit jedem Blickwinkel verändert sich der Eindruck des Raumes.

Archäologisch lässt sich dieses Wechselspiel erklären: Die Inka bearbeiteten einen natürlichen Kalksteinfelsen und gestalteten auch eine bereits vorhandene Felsspalte zu einer begehbaren Kammer um. In ihrem Inneren entstanden abgestufte, geglättete Flächen und eine in die Felswand gearbeitete Nische. Auch der aufgerichtete Stein draußen wurde verändert. Seine verbreitete Deutung als Puma bleibt angesichts des beschädigten Zustands unsicher.
Auf der Oberseite des Felsens setzen sich die Bearbeitungen fort: Treppen, Vertiefungen, geglättete Bereiche und zwei zylindrische Vorsprünge gehören zu den dokumentierten Elementen. Besonders auffällig ist eine gewundene Rinne. Ihre Form wird mit dem Quechua-Begriff q’inqu, „Zickzack“, verbunden. Christie deutet sie im Vergleich mit anderen rituellen Geräten als Vorrichtung für Flüssigkeitsgaben und möglicherweise für Weissagungen. Welche Flüssigkeiten hier tatsächlich verwendet wurden und wie ein solches Ritual ablief, ist damit noch nicht nachgewiesen.

Die Kammer im Felsinneren gibt dem Heiligtum eine besonders eindringliche Atmosphäre. Eine breite, tischartige Steinfläche liegt unter der niedrigen Decke; darüber verlaufen Risse und unregelmäßige Gesteinsstrukturen. Die amtliche Beschreibung spricht von altarähnlichen Bearbeitungen und Flächen, die an Ritualtische erinnern. Das beschreibt ihre Gestalt und mögliche Bedeutung, ohne eine bestimmte Opferhandlung zu beweisen.

Christie berichtet unter Bezug auf die Untersuchungen Luis Valcárcels von 1935 auch von menschlichen Überresten und einem Teller aus dieser Kammer. Sie diskutiert Q’enqo darüber hinaus als möglichen Ort des Gedenkens an den Herrscher Pachacútec. Ein Zusammenhang mit Ahnenverehrung ist somit eine begründete Forschungsdeutung; die genaue Nutzung der einzelnen Räume bleibt offen.

Mich berührt in Q’enqo vor allem das Licht auf dem bearbeiteten Stein. Es macht eine Kante sichtbar, gleitet über eine Vertiefung und verliert sich unter einem Überhang. Die Formen sind greifbar, ihre einstige Bedeutung nur noch teilweise. In diesem Abstand findet meine Fantasie ihren Platz: Eine leere Nische kann zum Ausgangspunkt einer Geschichte werden, ein schmaler Durchgang zur Schwelle eines unbekannten Raumes. Und draußen wartet derselbe helle Himmel, der schon über den Menschen stand, die diesen Felsen gestalteten.
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