Juraj Herz
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Sein Leben
Juraj Herz wurde am 4. September 1934 in Kežmarok, in der heutigen Slowakei, geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie und überlebte als Kind die nationalsozialistischen Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen. Auch seine Eltern überlebten die Verfolgung. Die Erfahrung von Gewalt und Todesangst prägte seine spätere Auseinandersetzung mit menschlicher Grausamkeit und den Abgründen totalitärer Herrschaft.
Nach dem Krieg studierte Herz zunächst Fotografie in Bratislava und anschließend Puppenspiel an der Prager Theaterfakultät DAMU. Zu seinen Studienkollegen gehörte Jan Švankmajer, mit dem ihn später auch künstlerische Zusammenarbeit verband. Herz arbeitete als Schauspieler und Regisseur am Semafor-Theater und gelangte über Regieassistenzen zum Film. Sein Kurzfilm „Die gesammelten Rohheiten“ (Sběrné surovosti, 1965) entstand nach einer Erzählung von Bohumil Hrabal. Im Umfeld der Tschechoslowakischen Neuen Welle entwickelte er eine eigenständige Handschrift, geprägt von grotesken Bildern, schwarzem Humor und einer Vorliebe für das Unheimliche.
Seine Karriere war wiederholt von staatlicher Zensur und Eingriffen in seine Filmprojekte betroffen. Dennoch arbeitete er in unterschiedlichen Genres weiter, vom psychologischen Drama bis zum düsteren Märchenfilm. 1987 zog er nach Deutschland; später war er erneut in Tschechien und bei internationalen Produktionen tätig. Juraj Herz starb am 8. April 2018 in Prag im Alter von 83 Jahren. Sein Grab befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag.
Sein Werk im Bereich des Horrorfilms
Juraj Herz fasziniert mich durch seine Fähigkeit, Schönheit, Absurdität und Bedrohung miteinander zu verbinden. Seine Filme können märchenhaft wirken und zugleich etwas zutiefst Verstörendes ausstrahlen. Gerade diese Unsicherheit reizt mich: Ein Gesicht, ein Raum oder eine scheinbar freundliche Geste bekommt plötzlich eine zweite, dunklere Bedeutung.
Im Mittelpunkt seines Schaffens steht für mich „Der Leichenverbrenner“ (Spalovač mrtvol, 1969), die Verfilmung des Romans von Ladislav Fuks. Rudolf Hrušínský spielt den Krematoriumsangestellten Karel Kopfrkingl, dessen Selbstbild als fürsorglicher Mensch mit seiner zunehmenden Verstrickung in den Nationalsozialismus eine mörderische Verbindung eingeht. Herz übersetzt diese Entwicklung in extreme Großaufnahmen, verzerrte Perspektiven und irritierend fließende Szenenwechsel. Mich beeindruckt, wie die Inszenierung den Zuschauer in Kopfrkingls Wahrnehmung hineinzieht. Seine ruhige Stimme und seine scheinbare Vernünftigkeit machen das Geschehen besonders beklemmend.
Mit „Morgiana“ (1972) schuf Herz eine Geschichte über zwei Schwestern, deren Verhältnis durch Eifersucht, ein ungleich verteiltes Erbe und Mordabsichten vergiftet wird. Beide werden von Iva Janžurová gespielt. Diese Doppelbesetzung finde ich besonders wirkungsvoll: Vertrautheit und Fremdheit erhalten dasselbe Gesicht. Der Film bewegt sich zwischen psychologischem Drama und Gothic Horror und macht die Familienbeziehung selbst zum bedrohlichen Raum.
Eine andere Seite seines unheimlichen Kinos zeigt „Die Schöne und das Ungeheuer“ (Panna a netvor, 1978). Herz gestaltet den bekannten Märchenstoff als düstere Begegnung mit einer vogelähnlichen Kreatur, die zwischen Zuneigung und tödlichem Trieb schwankt. Mich spricht besonders an, wie hier Mitgefühl und Furcht nebeneinander bestehen. Die Annäherung zwischen der jungen Frau und dem Ungeheuer gewinnt ihre Spannung daraus, dass die Gefahr spürbar bleibt. Für mich liegt darin eine besondere Kraft dunkler Märchen.
In „Der Autovampir“ (Upír z Feratu, international auch Ferat Vampire) überträgt Herz schließlich das Vampirmotiv auf einen Sportwagen, der mit menschlichem Blut betrieben wird. Diese groteske Idee verbindet Horror mit Technikfaszination und Satire. Mir gefällt daran der Einfallsreichtum, mit dem ein begehrtes Statussymbol zum gefräßigen Gegenüber seines Besitzers wird.
Als Autor interessiert mich an Herz besonders sein Gespür dafür, wie Bilder eine Geschichte unterschwellig verändern können. Seine Filme regen mich dazu an, genauer auf Räume, Gegenstände und beiläufige Gesten zu achten. Schon ein kleines Detail kann genügen, damit eine vertraute Welt unheimlich wird.