Baldan Bereeven Kloster
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Tiefe Wolken hängen über den bewaldeten Bergen. Zwischen Felsen und weiten Wiesen stehen weiße Tempelmauern, kleine Stupas und die Überreste zerfallener Gebäude. Baldan Bereeven besitzt eine stille, eindringliche Ausstrahlung. Beim Blick über das Gelände fällt es leicht, sich vorzustellen, wie einst Gebete durch die Hallen klangen. Heute begegnen sich hier die Spuren der Zerstörung und die Farben eines wieder erwachenden religiösen Lebens.
Das Kloster liegt im Tal des Baruun Jargalant in der mongolischen Provinz Chentii. Hinter der Anlage erhebt sich der als heilig verehrte Berg Munkh Ulziit. Die Einbettung in diese Landschaft gehört zum religiösen Konzept des Ortes: Berge, Felsen und Kloster bilden einen zusammenhängenden heiligen Raum. Die mongolische Denkmaldokumentation beschreibt dabei das Zusammenwirken älterer Traditionen der Landschaftsverehrung mit dem tibetischen Buddhismus.
Als Gründungsjahr wird 1654 überliefert; die Gründung wird dem Lama Tsevendorj zugeschrieben. Baldan Bereeven gehörte zur Gelug-Tradition des tibetischen Buddhismus und entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen Lehrzentrum. Seine Gebäude entstanden über mehrere Generationen hinweg. Der große Versammlungstempel, der Tsogchin Dugan, wurde 1813 vollendet. Die Geschichte des Klosters erfuhr 1937 einen gewaltsamen Einschnitt: Während der stalinistischen Religionsverfolgung wurde die Anlage weitgehend zerstört. Mönche wurden getötet, verschleppt oder zum Verlassen ihres religiösen Lebens gezwungen. Dieses Wissen verleiht den stehen gebliebenen Mauern eine bedrückende Bedeutung.
Die erhaltenen Mauerzüge, Gebäudereste und religiösen Felsarbeiten sind die materiellen Zeugnisse dieser Geschichte. Die Denkmaldokumentation verzeichnet die Überreste von nahezu fünfzig Tempeln, Stupas und weiteren religiösen Bauten. Seit der politischen Öffnung um 1990 wurde das Klosterleben wieder aufgenommen und die Wiederherstellung einzelner Gebäude vorangetrieben. Dabei dienten erhaltene Bauteile, ursprüngliche Bauformen und historische Fotografien als Grundlage. Das heutige Erscheinungsbild verbindet deshalb alte Substanz mit restaurierten und wiederaufgebauten Teilen.
Besonders eindrucksvoll wirken auf mich die kleinen Ruinen zwischen den Felsen. Auf meinen Bildern führen steinerne Stufen an brüchigem Mauerwerk entlang; blaue Tücher setzen leuchtende Akzente zwischen den grauen und braunen Steinen. Daneben ist das farbig gefasste Soyombo-Zeichen in einer Felsfläche zu sehen. Solche religiösen Zeichen, Mantrainschriften und Felsbilder gehören zur überlieferten Pilgerlandschaft von Baldan Bereeven. Für mich entsteht hier der Eindruck, dass sich die Verehrung über die Grenzen der Tempel hinaus in die Landschaft fortsetzt.
Die Aufnahmen der wiederhergestellten Tempel zeigen eine andere Seite des Ortes: rote Säulen, farbenreiche Verzierungen und sorgfältig gestaltete Eingänge. Vor den Gebäuden stehen Gebetsmühlen, während über dem hölzernen Zugangstor zwei Tiere ein Rad flankieren. Zwischen diesen kräftigen Farben und den offenen, dachlosen Mauern wird das Ausmaß des Verlustes ebenso sichtbar wie die Mühe, an das frühere Leben anzuknüpfen.
Der mystische Eindruck von Baldan Bereeven entsteht für mich aus dieser Nähe von Vergänglichkeit und Beharrlichkeit. Ein zerbrochener Tempel, ein Zeichen im Fels, ein blaues Tuch: Kleine Einzelheiten lassen Gedanken entstehen, die weit über das Sichtbare hinausreichen. Als Autor bleiben mir besonders die leeren Türöffnungen im Gedächtnis. Durch sie fällt heute das Licht auf Steine, über die einst Menschen gingen – mit Hoffnungen und Geschichten, von denen uns nur ein Teil erhalten geblieben ist.