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Guy de Maupassant - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Guy de Maupassant

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Sein Leben

Guy de Maupassant wurde am 5. August 1850 in der Normandie geboren. Er verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit in Étretat. Seine Mutter förderte sein Interesse an Literatur; ihr Freund Gustave Flaubert wurde später sein wichtigster literarischer Mentor. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, an dem Maupassant als Soldat teilgenommen hatte, arbeitete er als Beamter in Paris und entwickelte daneben seine schriftstellerischen Fähigkeiten.

Mit der Erzählung Boule de suif (1880) gelang ihm der Durchbruch. Innerhalb von etwa zehn Jahren veröffentlichte er rund 300 Erzählungen und sechs Romane, darunter Une vie und Bel-Ami. Seine genaue Beobachtung menschlicher Schwächen und gesellschaftlicher Verhältnisse machte ihn zu einem bedeutenden Vertreter der realistischen Literatur. Zugleich beschäftigte er sich immer wieder mit Angst, unerklärlichen Ereignissen und den Grenzen der Wahrnehmung. Der literarische Erfolg ermöglichte ihm Reisen und ein finanziell unabhängiges Leben.

Seine letzten Lebensjahre waren von einer schweren Erkrankung und zunehmenden psychischen Beschwerden geprägt. Ab 1892 lebte er in der Klinik des Arztes Émile Blanche in Paris. Dort starb Maupassant am 6. Juli 1893 im Alter von 42 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Cimetière du Montparnasse, in der 26. Abteilung.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur

Bei Maupassant schätze ich besonders die Genauigkeit, mit der er Angst beschreibt. Seine Figuren beobachten, zweifeln und suchen nach Erklärungen. Gerade ihre Bemühungen, das Erlebte vernünftig einzuordnen, machen die Geschichten so beklemmend. Ein vertrauter Raum kann seine Geborgenheit verlieren, eine beiläufige Wahrnehmung zur Bedrohung werden. Für mich entsteht daraus ein Grauen, das ungewöhnlich nahe an den Alltag heranrückt.

Sein bekanntester Beitrag zur unheimlichen Literatur ist Le Horla, zunächst 1886 veröffentlicht und 1887 in einer neuen Fassung erschienen. In der bekannteren Tagebuchfassung glaubt ein Mann, von einem unsichtbaren Wesen beherrscht zu werden. Er sammelt Beobachtungen und führt Versuche durch, um dessen Existenz nachzuweisen. Mich fasziniert, wie diese scheinbare Selbstvergewisserung seine Unsicherheit immer weiter verstärkt. Die Frage, ob eine fremde Macht auf ihn einwirkt oder seine Wahrnehmung ihn täuscht, lässt sich kaum beruhigend abschließen. Besonders bedrückend finde ich dabei die Angst, die Verfügung über den eigenen Willen zu verlieren.

In La Main (1883) konzentriert Maupassant den Schrecken auf einen einzigen Gegenstand: Ein Engländer bewahrt eine abgetrennte menschliche Hand als Trophäe auf und hält sie mit einer Kette befestigt. Ein Untersuchungsrichter berichtet von den rätselhaften Ereignissen, die sich darum entwickeln. Mir gefällt, wie die sachliche Erzählhaltung die makabre Ausgangssituation verstärkt. Ausgerechnet ein Mann, dessen Beruf die Aufklärung von Verbrechen ist, stößt an die Grenzen dessen, was er erklären kann.

Qui sait ? (1890) beginnt mit einer ebenso einfachen wie verstörenden Vorstellung: Ein Mann sieht, wie seine Möbel selbstständig sein Haus verlassen. Was zunächst fast grotesk wirkt, erschüttert seine Beziehung zur vertrauten Umgebung. Besonders reizvoll finde ich, dass Maupassant gewöhnlichen Gegenständen eine unbegreifliche Eigenständigkeit verleiht. Das Zuhause, in dem sich der Erzähler sicher und aufgehoben fühlt, entzieht sich seiner Kontrolle. I

Maupassants Stärke liegt für mich in seiner erzählerischen Zurückhaltung. Er lässt Beobachtungen und Widersprüche wirken, ohne jedes Rätsel aufzulösen. Als Leser muss ich selbst entscheiden, wie weit ich den Berichten seiner Figuren vertraue – und bemerke dabei, wie sehr schon ein kleiner Zweifel das Gefühl von Sicherheit verändern kann.
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