Papus
Aktuelle Projekte > Okkultisten/Spiritisten
Sein Leben
Papus (1865–1916) war einer der einflussreichsten Vermittler des französischen Okkultismus. Hinter dem Pseudonym stand der Arzt und Schriftsteller Gérard Encausse, geboren am 13. Juli 1865 in A Coruña in Spanien. Sein Vater war Franzose, seine Mutter Spanierin. Als Kind kam er mit seiner Familie nach Paris, wo er aufwuchs, später Medizin studierte und als Arzt praktizierte. Bereits als junger Mann beschäftigte er sich intensiv mit magischen und alchemistischen Schriften.
Besonders prägten ihn die Werke Éliphas Lévis. Seinen Namen „Papus“ entnahm er dem Nuctemeron, einem Apollonius von Tyana zugeschriebenen Text: Dort bezeichnet Papus einen Geist beziehungsweise Genius der Medizin – eine passende Verbindung seiner ärztlichen Tätigkeit mit seinen esoterischen Interessen.
1888 gründete Papus die Zeitschrift L’Initiation, die zu einem wichtigen Forum der französischen Esoterik wurde. Gemeinsam mit Augustin Chaboseau baute er den modernen Martinistenorden auf, dessen organisatorische Festigung 1891 erfolgte. Als Autor, Vortragender und Organisator brachte er zahlreiche Vertreter unterschiedlicher esoterischer Strömungen zusammen. Der spirituelle Lehrer Maître Philippe de Lyon verstärkte seine Hinwendung zur christlichen Mystik. Seine internationalen Kontakte führten Papus außerdem mehrfach nach Russland, wo er mit der Zarenfamilie verkehrte.
Während des Ersten Weltkriegs diente Papus als Militärarzt. Er erkrankte an Tuberkulose und starb am 25. Oktober 1916 in Paris, im Alter von 51 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof Père-Lachaise, Division 93.
Sein Werk im Bereich des Spiritismus und Okkultismus
Papus’ Werk verbindet Hermetik, esoterische Kabbala, Tarot, magische Praxis und christliche Mystik. Er wollte die unterschiedlichen Überlieferungen des westlichen Okkultismus ordnen und einem größeren Publikum zugänglich machen. Dazu dienten ihm Bücher ebenso wie Zeitschriften, Vorträge und Lehrveranstaltungen. Im Martinismus knüpfte er insbesondere an die Gedankenwelt Louis-Claude de Saint-Martins an und gab dieser Tradition eine international verbreitete organisatorische Form.
Besonders bekannt wurden seine Arbeiten über den Tarot. Papus deutete die Karten als ein umfassendes Symbolsystem, in dem sich Zusammenhänge zwischen Mensch, Welt und göttlicher Ordnung ausdrücken sollten. Er verknüpfte ihre Bilder mit Zahlenmystik, astrologischen Vorstellungen und kabbalistischen Entsprechungen. Seine Behauptungen über einen uralten, unter anderem ägyptischen Ursprung des Tarots gehören dabei zu seiner esoterischen Deutung und sind historisch nicht belegt.
Auch Spiritismus, Mediumismus und Hypnose beschäftigten ihn. Er untersuchte ihre vermeintlichen Zusammenhänge und bezog Vorstellungen eines unsichtbaren Vermittlers zwischen Körper und Geist ein. Fragen nach der Wiedergeburt und dem Weiterleben nach dem Tod behandelte er in eigenen Schriften. Diese Themen standen innerhalb seiner umfassenderen okkulten Weltanschauung.
Erscheinungsjahr | Werk | Inhalt |
1888 | Traité élémentaire de science occulte | Einführung in grundlegende Theorien und Symbole der okkulten Traditionen. |
1889 | Le Tarot des Bohémiens | Sein bekanntes Tarotwerk, das die Karten als Schlüssel zur okkulten Weltdeutung interpretiert. |
1892 | La Kabbale | Darstellung kabbalistischer Lehren aus der Perspektive des westlichen Okkultismus. |
1893 | Traité élémentaire de magie pratique | Abhandlung über magische Theorie und Praxis, einschließlich Beschwörungen und überlieferter Volksmagie. |
1912 | La Réincarnation | Überlegungen zur Wiedergeburt sowie zur körperlichen, astralen und geistigen Entwicklung des Menschen. |
1918, posthum | Ce que deviennent nos morts | Darstellung seiner Vorstellungen vom Fortbestehen des Menschen nach dem Tod. |