Direkt zum Seiteninhalt

ETA Hoffmann - Lyakon

Menü überspringen
Non omnis moriar.
(Horaz)

ETA Hoffmann

Aktuelle Projekte > Horrorautoren
Sein Leben

E. T. A. Hoffmann wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren. Sein ursprünglicher Name lautete Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann. Aus Verehrung für Wolfgang Amadeus Mozart ersetzte er später den dritten Vornamen durch Amadeus. Schon früh zeigte sich seine ungewöhnliche Vielseitigkeit: Er zeichnete, komponierte und beschäftigte sich mit Literatur, schlug beruflich jedoch zunächst eine juristische Laufbahn ein.

Seine Arbeit führte ihn unter anderem nach Posen, Warschau und Bamberg. Dort versuchte er zwischen 1808 und 1813, als Musiker und Theaterkünstler Fuß zu fassen, musste jedoch immer wieder finanzielle Rückschläge hinnehmen. 1814 kehrte er nach Berlin in den preußischen Justizdienst zurück; 1816 wurde er zum Kammergerichtsrat ernannt. Gleichzeitig begründeten die Fantasiestücke in Callot’s Manier (1814–1815) seinen literarischen Ruhm. Auch als Komponist fand er Anerkennung, etwa mit seiner Oper Undine. Als Jurist widersetzte er sich rechtswidrigen Maßnahmen bei der politischen Verfolgung vermeintlicher Staatsfeinde und geriet dadurch selbst unter Druck.

Hoffmann starb am 25. Juni 1822 in Berlin, nach schwerer Krankheit und im Alter von nur 46 Jahren. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirche vor dem Halleschen Tor in Berlin-Kreuzberg. Auf seinem Grabstein stehen die ursprünglichen Initialen „E. T. W.“.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur

Was mich an Hoffmann besonders fasziniert, ist die Art, wie er das Vertraute unheimlich werden lässt. Eine Kindheitserinnerung, ein Gesicht oder ein Haus an einer belebten Straße kann plötzlich eine bedrohliche Bedeutung annehmen. Seine Figuren verlieren die Sicherheit darüber, was sie wahrnehmen und wem sie vertrauen können. Für mich liegt darin eine seiner größten Stärken: Das Grauen reicht bis in das eigene Denken hinein.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in Der Sandmann (1816), welches ich im Deutschunterricht gelesen habe. Der Student Nathanael wird von traumatischen Kindheitserinnerungen und der Angst vor dem rätselhaften Coppelius verfolgt. Zugleich verliebt er sich in Olimpia, die sich als künstlicher Mensch erweist. Hoffmann verbindet hier die Furcht vor Verstümmelung mit Fragen nach Wahrnehmung, Täuschung und Menschlichkeit. Mich verstört besonders, wie Nathanaels Gewissheiten zerbrechen. Selbst das, was er mit eigenen Augen sieht, bietet ihm keinen verlässlichen Halt mehr.

Der Roman Die Elixiere des Teufels (1815–1816) führt noch tiefer in das Thema der bedrohten Identität. Der Mönch Medardus gerät nach dem Genuss eines geheimnisvollen Elixiers in ein Geflecht aus Begierde, Verbrechen, Schuld und Doppelgängern. Mir gefällt, wie Hoffmann die verschlungene Handlung selbst zu einer Erfahrung der Verunsicherung macht. Ähnlichkeiten und Verwechslungen erschweren jede Orientierung. Die Angst, sich selbst fremd zu werden, erhält dadurch eine beklemmende Anschaulichkeit.

In Das öde Haus (1817) genügt ein scheinbar verlassenes Gebäude, um den Erzähler Theodor in seinen Bann zu ziehen. Eine rätselhafte Erscheinung am Fenster und widersprüchliche Auskünfte nähren seine Vorstellungen. Besonders reizvoll finde ich, dass Hoffmann das Geheimnis mitten im städtischen Alltag ansiedelt. Hinter einer unscheinbaren Fassade entsteht eine Welt aus Begehren, verborgener Vergangenheit und psychischer Bedrohung. Gerade diese räumliche Nähe macht das Unheimliche so wirksam.

Hoffmanns verschachtelte Erzählweisen verlangen gelegentlich Aufmerksamkeit. Doch gerade das macht für mich einen Teil ihrer Wirkung aus: Unterschiedliche Stimmen und Erklärungen verhindern, dass man sich vorschnell in Sicherheit wiegt. Seine Geschichten lassen mich darüber nachdenken, wie leicht Wahrnehmung durch Angst und Wünsche geprägt wird. Darin liegt für mich ihre anhaltende Kraft – und Hoffmanns besonderer Rang als Wegbereiter des psychologischen Horrors.
Zurück zum Seiteninhalt