Bram Stoker
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Sein Leben
Abraham „Bram“ Stoker wurde am 8. November 1847 in Clontarf bei Dublin geboren. Er wuchs mit sechs Geschwistern auf und studierte am Trinity College Dublin, wo er sich besonders als Sportler und in den studentischen Debattiergesellschaften hervortat. 1870 schloss er sein Studium ab. Bereits während seiner Studienzeit arbeitete er in der Verwaltung von Dublin Castle; später schrieb er außerdem Theaterkritiken für die Dublin Evening Mail.
1878 heiratete er Florence Balcombe und zog mit ihr nach London. Im folgenden Jahr wurde ihr einziger Sohn Irving Noel geboren. Beruflich prägte vor allem die Zusammenarbeit mit dem berühmten Schauspieler Henry Irving sein Leben: Stoker wurde dessen Vertrauter und Geschäftsmanager am Lyceum Theatre. Rund 27 Jahre lang organisierte er Theaterbetrieb, Korrespondenz und Tourneen.
Neben dieser anspruchsvollen Tätigkeit schrieb Stoker Romane, Erzählungen und Sachbücher. „Dracula“ erschien 1897 nach jahrelanger Vorbereitung. Zu seinen Lebzeiten war Stoker jedoch besonders als Theatermanager und Mitarbeiter Irvings bekannt. Seine letzten Jahre waren von gesundheitlichen und finanziellen Schwierigkeiten überschattet.
Bram Stoker starb am 20. April 1912 in London im Alter von 64 Jahren. Sein Leichnam wurde eingeäschert; seine Asche befindet sich in einer Urne im Golders Green Crematorium im Norden Londons. Nach dem Tod seines Sohnes Noel im Jahr 1961 wurde dessen Asche derselben Urne hinzugefügt. Die gemeinsame Ruhestätte von Vater und Sohn ist damit ein besonderer Erinnerungsort für die Geschichte der Horrorliteratur.
Sein Werk im Bereich der Horrorliteratur
Für mich gehört „Dracula“ (1897) zu den großen Werken der klassischen Horrorliteratur. Besonders eindrucksvoll finde ich den Beginn des Romans: Jonathan Harker reist als junger Rechtsanwalt nach Transsilvanien und gerät im Schloss seines Auftraggebers zunehmend in eine ausweglose Lage. Die anfängliche Gastfreundschaft bekommt etwas Bedrohliches, und aus kleinen Beobachtungen entsteht die Gewissheit, einem unmenschlichen Wesen ausgeliefert zu sein. Stoker lässt die Angst wachsen, lange bevor seine Figuren das Geschehen vollständig verstehen.
Mich fasziniert außerdem die Erzählweise aus Tagebüchern, Briefen und anderen Aufzeichnungen. Der Roman wirkt dadurch wie eine Sammlung von Zeugenaussagen, deren Zusammenhang sich allmählich erschließt. Mit Draculas Ankunft in England dringt das Grauen in die vertraute Welt seiner Opfer ein. Krankheit, Begehren und die Angst vor dem Verlust der eigenen Selbstbestimmung greifen ineinander. Gerade diese Nähe des Schreckens macht den Roman für mich so wirkungsvoll.
Mit „The Jewel of Seven Stars“ (1903) wandte sich Stoker dem unheimlichen Erbe des alten Ägypten zu. Im Zentrum steht der Versuch, die mumifizierte Königin Tera wiederzuerwecken. Mich reizt an diesem Roman besonders die Verbindung von archäologischer Neugier, rätselhaften Gegenständen und gefährlichem Erkenntnisdrang. Die Vergangenheit besitzt hier einen eigenen Willen. Wer glaubt, ihre Geheimnisse beherrschen zu können, gerät selbst unter ihren Einfluss.
Auch Stokers kürzere Schauergeschichten verdienen Aufmerksamkeit. Die Sammlung „Dracula’s Guest and Other Weird Stories“ erschien 1914 posthum auf Initiative seiner Witwe Florence. Sie enthält unter anderem „The Judge’s House“, für mich ein besonders gelungenes Beispiel seines Gespürs für beklemmende Räume. Ein Student mietet ein abgelegenes Haus, um ungestört zu lernen, und schlägt die Warnungen vor dessen Vergangenheit in den Wind. Nächtliche Geräusche, eine auffällige Ratte und das Porträt eines grausamen Richters verwandeln die ersehnte Ruhe in eine Bedrohung. Mich überzeugt, wie Stoker dabei gewöhnliche Dinge Schritt für Schritt mit Angst auflädt.
Stokers Graf wurde zu einer der bekanntesten Gestalten der Weltliteratur und inspirierte zahllose Bearbeitungen. Ich schätze an seinen Geschichten vor allem die Verbindung von Atmosphäre und erzählerischem Vorwärtsdrang: Das Unheimliche besitzt eine Vergangenheit, verfolgt ein Ziel und kommt seinen Opfern immer näher. Diese Entschlossenheit des Bösen gibt seinem Horror für mich eine besondere Kraft.