Fetischmarkt
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Vodun – Voodoo, wie der Westen es nennt, verkürzt und entstellt – ist keine Kuriosität am Rand der Weltreligionen, sondern eine ihrer ältesten: ein Glaubenssystem, das Geister, Ahnen und die Kräfte der Natur miteinander verwebt, tief verwurzelt in Westafrika. Vor Jahrhunderten trugen die Schiffe der Sklaverei diese Götter über den Atlantik, nach Haiti, nach Brasilien, in die Karibik, wo sie sich mit den Heiligen des Christentums vermischten und doch, unter fremden Masken, ihr eigenes Gesicht behielten. Akodéssèwa selbst ist jünger als dieser Glaube, aber nicht weniger bedeutsam: Ursprünglich lag der Fetischmarkt inmitten des großen Marktes von Assigamé im Zentrum Lomés, bis der Gestank verwesenden Fleisches zwischen den Obstständen zu einem Politikum wurde und man ihn an den heutigen Ort verlegte. Für die Menschen, die hierherkommen, ist er weit mehr als ein Kuriositätenkabinett für Reisende – er ist eine Apotheke der Seele, ein Ort, an dem man Heilung sucht, die anderswo nicht zu finden ist.
Der Priester, der mich empfing, trug kein Ziegenfell wie die Fetischpriester der Taneka-Berge, sondern ein einfaches, mit Kaurimuscheln besetztes Gewand, und seine Augen musterten mich, ehe er ein Wort sprach, so gründlich, dass ich das Gefühl hatte, er lese etwas von mir, das ich selbst nicht kannte. Wir setzten uns im Schatten eines Vordachs, umgeben von den stillen, leeren Blicken hundert toter Tiere, und er begann, kleine Gegenstände vor sich auf einer Matte auszubreiten – Muscheln, Knochenstücke, Samen –, während er mir Fragen stellte, deren Sinn sich mir erst im Nachhinein erschloss.
Dann fertigte er zwei Dinge für mich an. Das erste war ein kleines Stück Holz mit einem Loch an einem Ende und einem Holzdorn, um das Loch zu verschließen – ein Reisetalisman, bestimmt, wie er sagte, über Straßen und Grenzen und Wasser hinweg zu wachen, damit ich sicher zurückkehre von jedem Ort, an den es mich noch verschlagen würde. Das zweite war kleiner, unscheinbarer: ein Amulett, in Leder genäht, das er mit einer Prise Pulver aus einer kleinen Kalebasse füllte, ehe er es verschloss und mir über die Handfläche hielt, ohne es sofort loszulassen. Er murmelte etwas – kein Gebet, das ich verstand, aber eines, das ich spürte, ein tiefes, rhythmisches Sprechen, das sich in der Handfläche fortzusetzen schien wie ein zweiter, fremder Puls. Als er das Amulett schließlich in meine Hand legte, war es warm. Wärmer, als es hätte sein dürfen, nachdem es nur Minuten in seinen Händen gelegen hatte.
Er sagte mir, ich solle es nie unbedacht ablegen und niemals einem Fremden zeigen, der danach fragt, ohne dass ich ihn kenne – Schutz, so erklärte er, funktioniere wie eine Tür: Sie hält nur, was sie nicht ständig öffnet. Ich nickte, obwohl ich in diesem Moment nicht hätte sagen können, ob ich seinen Worten aus Höflichkeit folgte oder aus einer Überzeugung, die sich gerade erst, hier, unter toten Vogelflügeln und im Rauch getrockneter Kräuter, in mir zu bilden begann.
Seither trage ich das Amulett bei mir, wenn ich reise, und den Talisman verwahre ich an einem Ort, den ich nicht nenne. Vielleicht ist es nur Leder und Pulver und ein wenig Faden. Aber es gab einen Moment auf jenem Markt, als die Wärme in meiner Hand nicht nachließ, sondern zu pulsieren schien wie etwas, das gerade erst zu atmen begonnen hatte – und seit jenem Moment schreibe ich anders über Schutz und Fluch, über das, was ein Gegenstand in sich tragen kann, wenn die richtigen Hände ihn formen und die richtigen Worte über ihn gesprochen werden.