Tata Somba - Lehmburgen der Betammaribe
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Es gibt Häuser, die schützen ihre Bewohner vor Regen und Wind. Und es gibt Häuser, die schützen ihre Bewohner vor der Geschichte selbst – vor Sklavenjägern, vor feindlichen Stämmen, vor der Islamisierung, die sich von Norden näherte wie eine unaufhaltsame Flut. Die Tata Somba der Betammaribe im Atakora-Gebirge Nordbenins gehören zur zweiten Sorte, und wer eine von ihnen zum ersten Mal aus der Ferne erblickt, meint für einen Moment, eine winzige, vergessene Burg vor sich zu haben, aus ockerfarbener Erde geformt, mit runden Türmen und einem flachen Dach, gekrönt von kegelförmigen Kornspeichern, die wie erstarrte Flammen in den Himmel ragen.
Die Betammaribe – ihr eigener Name, Batammariba, bedeutet so viel wie „jene, die die wahren Baumeister der Erde sind" – flohen einst aus der Ebene in dieses unwegsame Bergland, um dem Zugriff der Sklavenhändler und der Kriege benachbarter Völker zu entkommen. In der Abgeschiedenheit der Atakora-Berge entwickelten sie eine Architektur, die Festung, Wohnhaus und Heiligtum zugleich ist: im Erdgeschoss die Ställe für das Vieh, das nachts vor Leoparden und Dieben geschützt werden muss, in den Wänden verborgene Nischen zum Kochen, auf dem Dach ein offener Hof zum Trocknen des Getreides und zum Schlafen unter freiem Himmel – ein ganzes Leben, gefaltet in einen einzigen, wehrhaften Lehmkörper.
Doch was mich am meisten in seinen Bann zog, war nicht die Architektur allein. Es war das, was an ihr hing.
Über den niedrigen, absichtlich eng gehaltenen Eingängen – man muss sich bücken, um einzutreten, eine Geste der Demut, die zugleich jeden ungebetenen Angreifer zwingt, seinen Kopf zu senken – baumelten Knochen. Kleine, verwitterte Tierknochen, an Schnüren befestigt, die im Wind leise gegeneinanderschlugen wie eine Art Windspiel aus einer anderen Welt. Niemand, den ich fragte, wollte mir genau erklären, welches Tier sie ursprünglich getragen hatte. Man sagte nur, sie wachten. Dass sie das Haus und seine Bewohner vor dem bewahrten, was in der Nacht durch die Berge zieht.
Neben den Eingängen, halb im Schatten der Mauer, standen kleine Lehmkegel – Fetische, jeder für sich ein eigener, kleiner Altar, geformt aus derselben Erde wie das Haus selbst, aber bedeckt mit etwas, das im schrägen Nachmittagslicht dunkel und rissig glänzte: getrocknetes Tierblut, vermengt mit Federn, die sich in die krustige Oberfläche eingebrannt hatten, als hätte man sie im Moment des Opfers dort festgehalten. Man führte regelmäßig Opfergaben aus, erklärte mir mein Begleiter leise, fast andächtig – Hühnerblut, manchmal mehr, dargebracht an den Hausgeist, der über Familie und Vieh wacht, damit er weiterhin bereit ist zu schützen, was ihm anvertraut wurde. Jedes Haus sein eigener kleiner Pakt mit dem Unsichtbaren, erneuert, so oft es nötig scheint.
Ich stand vor einem dieser Kegel, während die Nachmittagssonne tief genug stand, um lange Schatten von den Türmen zu werfen, und die Knochen über dem Eingang begannen sich im aufkommenden Abendwind zu drehen – leise, unregelmäßig, ein Klappern, das keinem Rhythmus folgte, den ich hätte vorhersehen können. Ich legte die Hand nicht auf den Fetisch. Etwas in mir – nicht Angst, eher eine Art angeborener Respekt, den man in solchen Momenten nicht hinterfragt – hielt mich davon ab. Stattdessen betrachtete ich die getrockneten Federn, die sich im Wind kaum merklich bewegten, als würden sie noch immer versuchen zu fliegen, gefangen für immer im erstarrten Blut, das sie dort hielt.
Als ich die Lehmburg schließlich verließ, den schmalen Eingang bückend durchschritt, wie es der Brauch verlangt, hatte ich das seltsame Gefühl, nicht nur ein Haus, sondern einen Körper verlassen zu haben – einen, der atmet, der sich erinnert, der genau registriert, wer eintritt und wer geht. Die Knochen klapperten hinter mir noch einmal, ein letztes Mal, ehe der Wind sich legte. Ich habe seither das Gefühl, dass manche Häuser nicht gebaut werden, um zu schützen. Sie werden geboren, um zu wachen – und sie vergessen nie, wovor.