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Alzey-Worms - Lyakon

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Non omnis moriar.
(Horaz)

Alzey-Worms

Reisen > Deutschland > Rheinland-Pfalz > Alzey-Worms
Es gibt Landschaften, die ihre Mystik unter Weinbergen verbergen. Der Landkreis Alzey-Worms, mitten im sanft gewellten Rheinhessen gelegen, zählt zu jenen Gegenden, die dem flüchtigen Blick nichts als fruchtbare Äcker und endlose Rebzeilen zeigen – und die doch, wer genauer hinsieht, zu den menhirreichsten Regionen Deutschlands gehören. Zwölf dieser Steine, im Volksmund Hinkelsteine genannt, stehen oder standen einst verstreut über dieses Land, Zeugen einer Zeit, aus der uns weder Schrift noch Namen überliefert sind, nur der schiere, unerklärliche Wille, Fels aufzurichten und ihn stehen zu lassen.

Ich habe begonnen, diesen Steinen zu folgen, so wie ich zuvor Quellen, Höhlen und Steinkreisen in fernen Ländern gefolgt bin – und fand, dass Rheinhessen seine eigene, ganz eigentümliche Art besitzt, das Uralte lebendig zu halten. Der Stein ohne Namen von Gumbsheim, zweimal von moderner Technik gebrochen und dennoch aufrecht, trägt seine Wunden wie ein Mahnmal dafür, wie viel achtloser unsere eigene Zeit mit dem Ererbten umgeht, als es die Jahrtausende zuvor je taten. Der Lange Stein von Bornheim wiederum steht namenlos, sagenlos, auf offenem Feld an einer Grenze, die älter ist als jede Urkunde, die sie je beschrieb – und gerade dieses Schweigen, dieses Fehlen jeder ausgeschmückten Legende, machte ihn für mich zu einem der eindrücklichsten Orte dieser Reise.

Was diese Steine eint, ist nicht ihre Größe – manche von ihnen sind kaum mannshoch, unscheinbar zwischen Feldrainen und Gräben –, sondern ihre Beharrlichkeit. Sie überstanden Kelten, Römer, Franken, Kirche und Krieg, überstanden Flurbereinigungen und Straßenbau, manche nur knapp, gebrochen und wieder zusammengefügt, andere gänzlich unversehrt, als hätte die Zeit an ihnen abgeprallt wie Regen an poliertem Stein. Ich habe gelernt, in Alzey-Worms nicht die große Geste zu erwarten, sondern die leise, hartnäckige Gegenwart des Alten mitten im Alltäglichen – ein Stein am Wegesrand, den die meisten Vorbeifahrenden für einen bloßen Markstein halten, während er in Wahrheit seit fünftausend Jahren an derselben Erinnerung festhält.

Was folgt, sind die einzelnen Steine dieser rheinhessischen Reise – und mit ihnen die Frage, die mich seither nicht mehr losgelassen hat: was genau jene Menschen suchten, die vor so langer Zeit beschlossen, dass ausgerechnet hier, an diesem einen Fleck fruchtbaren Bodens, ein Fels stehen und für immer bleiben sollte.
Menhir
Bornheim, Rheinland-Pfalz
Stein ohne  Namen
Gumbsheim, Rheinland-Pfalz
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