Donnersbergkreis
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Der Donnersbergkreis trägt den Namen eines Berges und man erwartet dort das Große und Laute. Ich habe in diesem Landkreis dagegen zwei Steine besucht, die sich unscheinbar geben. Der eine steht in einem Waldstück bei Obermoschel, der andere auf dem Parkplatz einer Verwaltungsstelle in Alsenz.
Beide Menhire haben etwas gemeinsam, das mich auf dieser Reise zunehmend beschäftigt: Sie stehen nicht mehr dort, wo man sie einst aufrichtete. Der Lange Stein von Obermoschel war nach einer Grenzbeschreibung von 1601 an einer Hochstraße zu finden, an einem Grenzpunkt, der heute an einer ganz anderen Stelle liegt. Heute ruht er neben einem bronzezeitlichen Grabhügelfeld, und kleinen Jungen soll man früher erzählt haben, sie könnten Hühner piepen hören, wenn sie das Ohr an den Stein legten. Der Wack von Alsenz stand einst auf einer Flur namens Heidenloch, an der Grenze eines alten Hofbanns, unweit einer Straße, die wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit Bad Kreuznach und Kaiserslautern verband. 1953 wurde er mitten in den Ort versetzt und trägt seither die Gedenktafel für die Gefallenen zweier Weltkriege.
Wo Steine wandern, bleibt die Frage offen, was sie eigentlich bewachten. Die Grenzen, die sie markierten, sind verschoben oder vergessen, die Straßen verlassen, die Namen der Fluren erzählen von Dingen, die niemand mehr erklären kann. Gerade dieses Verlorene hat mich in diesem Landkreis berührt. Es ist eine leise Mystik, die nicht aus Legenden von Geistern oder Teufeln entsteht, sondern aus der Beharrlichkeit eines Steins, der jede Umsiedlung überdauert und seinen Platz einfach neu einnimmt, ob zwischen Grabhügeln im Wald oder zwischen parkenden Autos.
Was folgt, sind die einzelnen Orte meiner Besuche im Donnersbergkreis: zwei Steine, die man umgesetzt hat und die dennoch noch immer aufrecht stehen.

